Der frühere FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß ist im Gefängnis. "Ulrich Hoeneß hat heute die gegen ihn verhängte Freiheitsstrafe in der JVA Landsberg angetreten", teilten seine Anwälte in München mit.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München II wollte die Berichte nicht kommentieren. Anders als das Strafverfahren sei das Vollstreckungsverfahren nicht öffentlich, deshalb gebe es zum Haftantritt keine offizielle Bestätigung, sagte ein Behördensprecher.

Hoeneß war am 13. März wegen Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Am Tag darauf trat er als Präsident des FC Bayern zurück und verzichtete auf eine Revision. 

Im Laufe des Verfahrens hatte sich gezeigt, dass Hoeneß weit mehr Steuern hinterzogen hatte als ursprünglich angenommen. Das Gericht ging am Ende in seinem Urteil von einer Steuerschuld von knapp 28,5 Millionen Euro aus.

Genau zwei Monate nach Hoeneß' Verurteilung wurde bekannt, dass ein früherer Häftling 215.000 Euro von dem prominenten Steuersünder erpressen wollte. Andernfalls gebe es schwerwiegende Konsequenzen in der Haft. Bei der geplanten Geldübergabe in München wurde der 50-jährige Tatverdächtige festgenommen.

Ehering, Armbanduhr, ein persönliches Schmuckstück

In Landsberg angekommen wird Hoeneß seine persönlichen Gegenstände abgeben müssen, bis auf Ehering, Armbanduhr und, falls vorhanden, ein persönliches Schmuckstück. Er wird, in Anstaltskleidung, zunächst in die Zugangsabteilung aufgenommen. In den Tagen darauf wird man versuchen, seine Persönlichkeit zu erforschen. 

Hoeneß wird Psychologen, Ärzten und Sozialarbeitern Rechenschaft geben müssen, damit ein "Vollzugsplan" erstellt werden kann, der die weitere Haftzeit regelt. Dann kommt er ins Haupthaus, mit seinem zentralen wehrhaften Turm, von dem sternförmig die Zellentrakte abgehen.

Zunächst muss Hoeneß seine Strafe im sogenannten geschlossenen Vollzug absitzen. Der offene Vollzug beginnt üblicherweise 18 Monate vor dem voraussichtlichen Haftende. Bei guter Führung könnte Hoeneß nach Verbüßung von zwei Dritteln seiner Strafe entlassen werden, also nach zwei Jahren und vier Monaten. Das wäre im Herbst 2016.

Zieht man davon die 18 Monate ab, dürfte Hoeneß bereits nach rund 10 Monaten geschlossenem Vollzug, also im nächsten Frühjahr, mit spürbar gelockerten Haftbedingungen rechnen. Ausgang, Urlaub und Freigang würden dazugehören. Freigänger kehren abends in die Zelle zurück. Tagsüber gehen sie in relativer Freiheit einer geregelten Arbeit nach.