Die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe hat ihren drei Verteidigern das Vertrauen entzogen. Das habe sie einem Polizisten gesagt, teilte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl mit. Eine offizielle Entbindung ihrer Anwälte Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm bedeutet der Schritt noch nicht.

Götzl setzte das Verfahren bis zum kommenden Dienstag aus und gab Zschäpe bis Donnerstag Zeit für eine schriftliche Begründung. Die am Mittwoch laufende Vernehmung des Zeugen Tino Brandt wurde abgebrochen. Nach Angaben eines Nebenklägers wolle Zschäpe nun neue Pflichtverteidiger. Eine Gerichtssprecherin sagte, jetzt werde geprüft, ob die Gründe Zschäpes stichhaltig seien. Zudem müssen ihre Anwälte noch schriftlich Stellung nehmen.

Grund für das fehlende Vertrauen soll die Verteidigungsstrategie der Anwälte sein. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa ist sich Zschäpe mit ihren Verteidigern über die Frage ihres Aussageverhaltens uneins. Offenbar will sie sich Fragen des Gerichts stellen. An den bisherigen 128 Verhandlungstagen schwieg sie bislang konsequent.

Der Vorfall könnte den Fortgang des Prozesses bedrohen. Sollte das Gericht dem Wunsch Zschäpes nachkommen und ihre Verteidiger entpflichten, müssten neue Anwälte engagiert werden. Die aber bräuchten ausreichend Zeit, um sich in die umfangreichen Akten einzulesen. Länger als 30 Tage darf die Verhandlung jedoch nicht unterbrochen werden – sonst würde das Verfahren platzen.

Anwälte wurden Zschäpe empfohlen

Zschäpes Anwälte sind Pflichtverteidiger und können daher nicht auf Wunsch der Angeklagten entlassen werden. Das Münchner Landgericht ist nicht verpflichtet, Zschäpes Misstrauensbekundung zum Anlass für eine Mandatsaufhebung zu nehmen: Die Angeklagte muss das Gericht davon überzeugen, dass das Vertrauensverhältnis tatsächlich zerrüttet ist. Kommt das Gericht der Forderung nicht nach, könnte das allerdings Grund für eine spätere Revision Zschäpes bieten.

Die drei Anwälte wurden von der Angeklagten ausgesucht, sie werden lediglich vom Gericht bezahlt. Zschäpe kam über Empfehlungen zu den Dreien, die nicht im Verdacht stehen, der rechtsextremen Szene anzugehören. Als sich Zschäpe am 8. November 2011 der Polizei stellte, war sie in Begleitung eines Anwalts, den sie in Jena beauftragt hatte. Der wollte das Mandat aber nicht fortführen, über seine Empfehlung kam sie letztlich zu dem Kölner Rechtsanwalt Heer. Der wiederum bat den Koblenzer Strafverteidiger Wolfgang Stahl um Unterstützung. 

Im August 2012 verstärkte sich das Verteidigerteam um die Berliner Juristin Anja Sturm. Sie kennt den Vorsitzenden Richter Götzl schon aus einem großen Islamistenprozess in München. Dass die Namen der drei Anwälte im Zusammenklang so martialisch wirken, ist also Zufall.

Beate Zschäpe wird vorgeworfen, zusammen mit Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos das rechtsextreme Terrornetzwerk Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) gegründet zu haben. Seit Mai 2013 wird der Fall vor dem Oberlandesgericht München verhandelt.