Zentimeter um Zentimeter hat sich das rostige Wrack der Costa Concordia aus dem Meer gehoben. Dann gab der Chefingenieur der Bergungsmannschaft, Franco Porcellacchia, einen ersten Teilerfolg bekannt: "Das Schiff schwimmt." Das Anheben des Wracks von einer Plattform im Wasser habe reibungslos funktioniert, teilten die Behörden mit.

Erstmals seit dem tragischen Unglück des Kreuzfahrtschiffs vor zweieinhalb Jahren hat das Schiff damit wieder Wasser unter dem Kiel. Das Wrack müsse nun noch einen weiteren Meter aufsteigen, bevor es langsam auf das offene Meer geschleppt werden könne, sagte Porcellacchia.

Um das Schiff anzuheben, hatten Ingenieure und Techniker 30 Wassertanks an beiden Flanken des mehr als 114.000 Tonnen schweren Kolosses befestigt. Mit Hilfe komprimierter Luft sollte das Wasser dann aus den Tanks gedrückt werden, damit diese auftreiben und das Schiff anheben. Anschließend soll das Schiff zur Verschrottung nach Genua geschleppt werden. "Wir sind bis jetzt sehr zufrieden", sagte Porcellacchia.

Der Chef der Bergungsaktion, der Südafrikaner Nick Sloane, hatte kurz vor dem Beginn der Operation eingeräumt, er sei "nervös" angesichts des Risikos, dass das Wrack auseinanderbrechen könne. Es bestehe die Gefahr, dass das Wrack während des Anhebens "abknickt" oder die am Schiffskörper befestigten Ketten reißen, hatte er gesagt. Neben Sloane waren 41 weitere Experten während des Bergungsmanövers an Bord des Havaristen.

Insgesamt soll der Einsatz mehrere Tage dauern. Zwischen Donnerstag und Samstag soll die Hauptbefüllung der Schwimmkörper mit Luft erfolgen. Anschließend werden die auftauchenden Decks von Abfällen gereinigt und mögliche bislang unentdeckte Schäden geprüft.

Greenpeace befürchtet Umweltverschmutzung

Die Gewässer, durch die das Unglücksschiff geschleppt wird, zählen zu den größten europäischen Meeresschutzgebieten. Daher wird die Bergungsaktion von Umweltschützern genau verfolgt. "Das schlimmste Szenario wäre, wenn das Schiff auseinanderbricht oder kippt", sagte Greenpeace-Expertin Giorgia Monti.

Die 290 Meter lange Costa Concordia war am 13. Januar 2012 vor Giglio auf einen Felsen aufgelaufen und gekentert. 32 Menschen starben, darunter zwölf Deutsche. Kapitän Francesco Schettino muss sich seit einigen Wochen in Rom unter anderem wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten. Für die Bergung muss die Reederei Costa Crociere nach eigenen Angaben mindestens 1,5 Milliarden Euro aufbringen.