Gustl Mollath steht abermals vor Gericht: In dem Wiederaufnahmeverfahren vor dem Landgericht Regensburg muss er sich wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung verantworten. Der Prozess ist auf 17 Verhandlungstage angesetzt und soll bis Mitte August dauern.

Zum Prozessauftakt meldete sich der 57-jährige Angeklagte sofort zu Wort und lehnte einen Sachverständigen ab. Er wolle sich frank und frei verteidigen und bekomme Beklemmungen und Angstzustände, wenn ein psychologischer Gutachter beim Prozess anwesend sei. Sein Antrag, den psychologischen Sachverständigen aus dem Gerichtssaal zu weisen, scheiterte aber. Mollaths Ex-Frau, die als Nebenklägerin beteiligt ist, war nicht erschienen.

Im ersten Verfahren gegen Mollath hatte das Landgericht Nürnberg-Fürth 2006 festgestellt, dass Mollath seine inzwischen von ihm geschiedene Frau misshandelt hatte. Da Gutachter ihn wegen angeblicher Wahnvorstellungen als gemeingefährlich einstuften, sprach ihn das Gericht frei und wies ihn in die Psychiatrie ein. Dort verbrachte er gegen seinen Willen sieben Jahre.

Laut Anklage soll Mollath 2001 seine damalige Ehefrau massiv körperlich misshandelt und eingesperrt haben. Zudem soll er laut Gerichtsurteil von 2006 Dutzende Autoreifen zerstochen haben. Er habe sich an Menschen rächen wollen, die an der Scheidung von seiner Frau beteiligt waren oder sich anderweitig gegen ihn gewandt hatten. 

Der Freispruch von damals ist rechtskräftig, bei einem Wiederaufnahmeverfahren darf der Angeklagte nicht schlechter gestellt werden. Daher geht es für Mollaths Rechtsanwalt Gerhard Strate nur um die Kriterien der Unterbringung in der Psychiatrie und die Frage, ob sein Mandant nach wie vor gefährlich für die Allgemeinheit ist. 

Mollaths Ex-Frau ist Nebenklägerin im Prozess

Mollaths Ex-Frau tritt als Nebenklägerin in dem Verfahren auf. Auch eine Stellungnahme des 57 Jahre alten Mollath ist nach Angaben seines Verteidigers noch offen. Es sei aber möglich, dass er sich zunächst nicht zur Sache äußern werde, sagte sein Anwalt.

Das Gericht hat für den Prozess 44 Zeugen geladen. Darunter sind auch zahlreiche Richter, Staatsanwälte und Gutachter aus vorherigen Prozessen und Ermittlungsverfahren.