In der Nähe der russisch-ukrainischen Grenze ist ein Flugzeug der Air Malaysia mit 295 Menschen an Bord abgestürzt. Das hat die Verwaltung der Region Donezk bestätigt. "Die Zahl der Toten ist noch nicht bekannt", hieß es in einer Erklärung der Behörden.

Die russischen Nachrichtenagenturen Interfax und Itar-Tass berichten von einem Abschuss der Maschine. Die Information gab ein Berater des ukrainischen Innenministeriums, Anton Geraschenko, über Facebook weiter. Er beschuldigte die prorussischen Separatisten, die Rakete vom Typ Buk abgefeuert zu haben. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko äußerte sich vorsichtiger: Das Flugzeug könnte abgeschossen worden sein. Ministerpräsident Arseni Jazenjuk sprach von einer Katastrophe und ordnete eine Untersuchung an.

Der Anführer der Separatisten, Alexander Borodai, beschuldigte die ukrainische Armee, für den Abschuss der Maschine verantwortlich zu sein. Die ukrainische Regierung dementierte eine Verwicklung in das Unglück. Ein Sprecher der ukrainischen Luftwaffe sagte, Flugzeuge der Armee seien am heutigen Donnerstag nicht in der Luft gewesen.

Hilfskräfte konnten nicht zu der zerschellten Maschine, da das Absturzgebiet bei Schachtjorsk, etwa 60 Kilometer westlich der russischen Grenze, von den Separatisten kontrolliert wird. Ein Reuters-Reporter berichtet vor Ort, er sehe auf dem Boden Flugzeugteile und Leichen. Die Trümmerteile seien in einem Umkreis von 15 Kilometern rund um die Absturzstelle verteilt.

Malaysia Airlines bestätigte, den Kontakt mit Flug MH77 von Amsterdam nach Kuala Lumpur verloren zu haben. Das letzte bekannte Positionssignal wurde demnach aus dem ukrainischen Luftraum empfangen. Der malaysische Ministerpräsident Najib Razak hat eine sofortige Untersuchung von Berichten zum Verlust einer Passagiermaschine über der Ukraine angeordnet, Verkehrminister Hishamuddin Hussein twitterte, es gebe bislang keine Bestätigung, dass die Maschine abgeschossen worden sei. Er habe das Militär angewiesen, den Vorfall zu prüfen und gegebenenfalls eine Bestätigung einzuholen.

Obama und Putin haben miteinander telefoniert

Der russische Präsident Wladimir Putin und US-Präsident Barack Obama haben wegen des Absturzes miteinander telefoniert. Der Kreml in Moskau teilte mit: "Der russische Führer hat den Präsidenten der USA darüber informiert, was er selbst kurz vor dem Telefonat erfahren hatte: Dass ein Flugzeug der Malaysian Airlines über dem Territorium der Ukraine abgestürzt ist."

In der Ostukraine hatten prorussische Kräfte zuletzt wiederholt Militärflugzeuge abgeschossen, die deutlich niedriger fliegen als Passagiermaschinen. Ende Juni hatte die russische Agentur Itar-Tass bekannt gegeben, die prorussischen Separatisten aus Donezk verfügten über Raketen des russischen Systems Buk.

Spekulationen über Raketenabwehrsystem Buk

Ein AP-Journalist hatte am Donnerstag ein solches System in der Nähe der ostukrainischen Stadt Snischne gesehen. Buk-Raketen können bis in eine Höhe von 22.000 Metern abgefeuert werden. Die abgestürzte Boeing 777 sei in einer Höhe von 10.000 Metern geflogen, hieß es.

In der Ostukraine liefern sich seit Wochen Soldaten und prorussische Separatisten heftige Gefechte. Am Morgen hatte die ukrainische Regierung Russland den Abschuss eines ukrainischen Kampfjets vorgeworfen, was die russische Regierung inzwischen dementiert hat.

Lufthansa ändert Flugrouten

Der Luftraum im Osten der Ukraine wurde am 8. Juli für Zivilflugzeuge gesperrt, diese Regelung gilt jedoch nur für Flüge unterhalb von 8.000 Metern. Nach Bekanntwerden des Absturzes ändert die Lufthansa ihre Flugrouten. "Die Lufthansa hat sich entschieden, von sofort an den ukrainischen Luftraum weiträumig zu umfliegen", sagte eine Sprecherin. Von der Entscheidung seien im Laufe des Donnerstag noch vier Flüge betroffen.