Mit seinem Bericht von dem Absturzort der Malaysia-Airlines-Maschine in der Ukraine hat der britische Fernsehjournalist Colin Brazier in sozialen Medien für Empörung gesorgt. In einer Live-Schalte für den Nachrichtensender Sky News durchsuchte der Reporter am Sonntag ein geöffnetes Gepäckstück eines Passagiers des verunglückten Fluges MH17. Mehrere persönliche Gegenstände des Absturzopfers nahm er in die Hand und warf sie anschließend wieder zurück. Dass er damit auf negative Reaktionen stoßen würde, ahnte Brazier offenbar bereits während seines Berichts. "Wir sollten das eigentlich nicht machen, vermute ich", sagte er in die Kamera.

Im Internet löste die Berichterstattung einen Sturm der Entrüstung aus. Der Medienprofessor Joe Watson, der an der Baker University im US-Bundesstaat Kansas lehrt, bezeichnete den Vorfall auf Twitter als "entsetzlichen Augenblick für den Journalismus". Auch Kollegen reagierten empört: Die BBC-Journalistin Shelagh Fogarty schrieb ebenfalls auf Twitter: "Sky! Bringt euren Reporter dazu, mit dem Durchstöbern aufzuhören."

Nachdem sich Zuschauer auch direkt bei Sky News beschwerten, distanzierte sich der Sender von dem Bericht: "Colin hat den Zuschauern den Inhalt der Tasche von einem der Opfer gezeigt. Er hat sofort erkannt, dass das nicht angemessen ist und das auch live gesagt", teilte eine Sprecherin mit. "Sowohl Colin als auch Sky News bitten um Entschuldigung für die entstandene Verärgerung."

Auch Tage nach dem mutmaßlichen Abschuss von Flug MH17 war die Absturzstelle am Wochenende noch ungesichert. Plünderungen von Gepäckstücken wurden berichtet. Der niederländische Bankenverband äußerte den Verdacht, dass Kreditkarten der Opfer gestohlen wurden und betrügerisch eingesetzt wurden. Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) meldeten, dass auch alkoholische Getränke aus dem Flugzeugwrack entwendet wurden.