Beate Zschäpe, die Hauptangeklagte im NSU-Prozess, hat die vom Oberlandesgericht München geforderte Begründung für ihren Wunsch nach einem Wechsel ihrer Pflichtverteidiger abgegeben. Nach Informationen mehrerer Medien ging gestern ein entsprechendes Schreiben beim Gericht und bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe ein.

Eine Gerichtssprecherin wollte das zunächst nicht bestätigen. Sie sagte jedoch, der Prozess werde "nach derzeitiger Planung" am kommenden Dienstag fortgesetzt. Einer von Zschäpes Anwälten, Wolfgang Stahl, lehnte eine Stellungnahme ab, da der Vorgang "den Kern des Mandatsverhältnisses" betreffe. 

Laut Focus kritisiere Zschäpe in dem Schreiben die Verhandlungsführung ihrer drei Pflichtverteidiger. Von einem grundsätzlichen Streit Zschäpes mit ihren Anwälten Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm über ihr Aussageverhalten – Zschäpe hat bisher geschwiegen – sei in dem Papier jedoch nicht die Rede. Das Nachrichtenmagazin folgert aus der Erklärung, dass die Angeklagte nichts an ihrer Strategie ändern wolle.

Tod "billigend in Kauf genommen"

Zschäpe hatte am vergangenen Mittwoch ihren drei Pflichtverteidigern überraschend das Vertrauen entzogen. Daraufhin war spekuliert worden, sie wolle sich entgegen der bisherigen Verteidigungsstrategie doch vor Gericht zu einzelnen Anklagepunkten äußern.

Laut Gerichtssprecherin werde am nächsten Verhandlungstag eines der Themen das Feuer sein, mit dem Zschäpe nach dem Auffliegen der NSU-Gruppe die Wohnung in Zwickau zerstört haben soll. Sie habe dabei den Tod ihrer damals 89 Jahre alten Nachbarin "billigend in Kauf genommen", heißt es in der Anklage.  

Ein Vertreter der Nebenklage im NSU-Prozess, der Anwalt Mehmet Daimagüler forderte Zschäpe auf, ihr Schweigen zu brechen. Eine Aussage sei in ihrem eigenen Interesse, sagte er der Mitteldeutschen Zeitung. "Ich hoffe und rechne auch damit, dass sie aussagt. Denn so kann es ja nicht weiter gehen."