Seit gerade mal einer Woche ist der Rechtsstreit gegen Gustl Mollath beendet – und schon könnte er weitergehen. Mollath legt nach Informationen von SZ.de Revision gegen das Urteil ein.

Mollath, der jahrelang gegen seinen Willen in der Psychiatrie festgehalten wurde, wurde vom Landgericht Regensburg freigesprochen, obwohl das Gericht ihn für schuldig hielt, seine Ex-Frau im Jahr 2001 schwer körperlich misshandelt zu haben. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass er zur Tatzeit aus psychischen Gründen schuldunfähig gewesen sei, urteilten die Richter. Nach dem Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten" sprachen sie Mollath frei.

Dieser Freispruch "zweiter Klasse" reicht Mollath offenbar nicht. Er hatte die Vorwürfe gegen ihn stets bestritten und sich nach dem Urteilsspruch unzufrieden geäußert. Offenbar will er einen Freispruch "erster Klasse" erreichen, in dem seine Unschuld festgeschrieben wird.

Nach SZ-Informationen ist aber fraglich, ob eine Revision bei einem Freispruch überhaupt zulässig ist, weil der Angeklagte ja nicht belastet wird. Beim Landgericht Regensburg sei man skeptisch, entscheiden müsse aber das Revisionsgericht – in diesem Fall der Bundesgerichtshof. Mollath, der sich während des Prozesses mit seinem Verteidiger überworfen hatte, hat nach SZ-Angaben inzwischen einen neuen Anwalt verpflichtet.

Keine Hinweise für eine Geisteserkrankung

Gustl Mollath war mehr als sieben Jahre gegen seinen Willen in der geschlossenen Psychiatrie in Bayreuth untergebracht. Laut Anklage soll er 2001 seine damalige Ehefrau massiv körperlich misshandelt und eingesperrt haben, außerdem soll er Dutzende Autoreifen zerstochen haben. Er habe sich an Menschen rächen wollen, die an der Scheidung von seiner Frau beteiligt waren oder sich anderweitig gegen ihn gewandt hatten, hieß es. 

Das Landgericht Nürnberg hatte Mollath aber 2006 in einem Verfahren für schuldunfähig erklärt und ihn in die Psychiatrie einweisen lassen. Grund waren angebliche Wahnvorstellungen: Mollath hatte behauptet, seine inzwischen geschiedene Frau würde Schwarzgeldgeschäfte für die HypoVereinsbank ausführen. Das Gericht glaubte ihm nicht, inzwischen steht jedoch fest, dass es die Geschäfte gegeben hat.   

Im vergangenen Jahr kam Mollath frei. Dem neuen Urteil zufolge gibt es keine Hinweise auf eine Geisteserkrankung. Für seine Zeit in der Psychiatrie soll Mollath eine Geldentschädigung bekommen.