Als Reaktion auf den Tod des schwarzen Jugendlichen Michael Brown, der im US-Bundesstaat Missouri von einem Polizisten erschossen wurde, ist eine Petition zur Ausrüstung aller Polizisten mit Videokameras gestartet worden. Bis Montag gab es für die Petition bereits mehr als 112.000 Unterschriften. Das ist weit mehr als für eine öffentliche Stellungnahme von US-Präsident Barack Obama nötig. Ab 100.000 Unterschriften muss sich das Weiße Haus mit dem Text befassen und öffentlich darauf antworten.

Die Petition für das "Gesetz Mike Brown" hat das Ziel, in Zukunft Fehlverhalten der Polizei zu vermeiden. Demnach sollen alle Polizisten mit Minikameras ausgestattet werden, die am Körper zu tragen sind. Berichten zufolge hat der Einsatz dieser Kameras in einigen Orten bereits zu einem deutlichen Rückgang der Polizeigewalt und der Bürgerbeschwerden über Polizisten geführt.

Seit dem Tod des Jugendlichen in Ferguson kommt es in dem Vorort von St. Louis zu Ausschreitungen und Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten, auch in der Nacht zum Montag. Die Bewohner protestieren gegen Rassismus und Polizeigewalt, dem Schützen unterstellen sie rassistische Motive. Nach Plünderungen, Straßenblockaden und Vandalismus hat der Gouverneur von Missouri, Jay Nixon, am Montag die Nationalgarde angewiesen, die Unruhen in Ferguson stoppen. Etwa zehn Mitglieder der Garde sind im Hauptquartier der Polizei in Ferguson eingetroffen. Mit diesen zusätzlichen Kräften sei es möglich, die Rechte friedlicher Bürger zu schützen, sagte Gouverneur Nixon.

Ban Ki Moon mahnt, internationale Standards zu achten

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die US-amerikanischen Behörden aufgefordert, die Demonstrationsrechte zu achten. Die Versammlungs- und die Redefreiheit müssten gewahrt werden, sagte ein Sprecher Bans in New York. Die Beamten müssten sich an US-Recht und internationale Standards halten. Die Polizisten waren mit Tränengas und Rauchbomben gegen Demonstranten vorgegangen, die nach Angaben der Behörden ihrerseits Brandsätze warfen und Schusswaffen gegen die Beamten einsetzten.

Am 9. August hatte ein weißer Polizist den 18-jährigen unbewaffneten Brown erschossen – obwohl er Augenzeugen zufolge die Hände über den Kopf genommen hatte. Brown wurde laut einem Obduktionsbericht von mindestens sechs Kugeln getroffen. Das berichtete der Anwalt der Familie des Opfers, Benjamin Crump, am Montag nach einer vorläufigen privaten Autopsie der Leiche. Alle Kugeln seien in die vordere Körperseite eingedrungen. 

Eine zweite Obduktion von der Gerichtsmedizinerin des Bezirks, Mary Case, bestätigte diese Version. Der Bericht des Bezirks – Teil der offiziellen Untersuchung – stammt bereits vom vergangenen Freitag, wurde aber nicht öffentlich gemacht.