Nach anhaltenden Zusammenstößen zwischen Polizisten und Anwohnern in der US-Kleinstadt Ferguson hat der Gouverneur von Missouri die örtliche Polizei abgezogen. Für die Sicherheit sei dort ab sofort die Polizei des Bundesstaates zuständig, sagte Gouverneur Jay Nixon am Donnerstag. Der Wechsel solle ein milderes Vorgehen der Sicherheitskräfte einleiten und zur Deeskalation beitragen. "Dieser operative Wechsel wird allen Luft zum Atmen verschaffen."

Die sogenannte Highway Patrol überwacht normalerweise vor allem den Verkehr, ermittelt aber auch in anderen Straftaten wie Mord und Diebstahl. Die Polizei der Stadt mit 21.000 Einwohnern war in den vergangenen Tagen mehrfach für ihr gewaltsames Vorgehen kritisiert worden. Nachdem ein Polizist am Samstag den afroamerikanischen Teenager Michael Brown erschossen hatte, kam es in den darauffolgenden Nächten zu Protesten, Plünderungen und Festnahmen.

Die Polizei war schwer bewaffnet und mit Tränengas und Rauchbomben gegen Demonstranten vorgegangen. Auch Gummigeschosse waren im Einsatz. Journalisten wurden teils schikaniert oder von der Berichterstattung abgehalten. Mindestens zwei Reporter wurden gewaltsam festgenommen, mehrfach war von Verstößen gegen die Pressefreiheit die Rede. Polizeichef Tom Jackson gestand später ein, dass die Polizei kein gutes Verhalten gezeigt habe.

US-Justizminister Eric Holder teilte mit, Plünderungen seien nicht hinnehmbar. Zugleich müsse die Polizei darauf hinwirken, die Lage zu entspannen und nicht anzuheizen. Der Einsatz militärischer Ausrüstung und Fahrzeuge sende eine widersprüchliche Botschaft, die ihn zutiefst besorge. Friedliche Protestierer müssten demonstrieren und Journalisten ungestört arbeiten können, teilte Holder mit. Zuvor hatte bereits Präsident Barack Obama alle Beteiligten zur Ruhe aufgerufen.

Hochgerüstete Polizei

Die Polizei von Ferguson ist dank eines Bundesprogramms schwer bewaffnet. Polizeistationen können sich kostenlos schwere militärische Ausrüstung zulegen. Das sogenannte 1033-Programm ermöglicht den kostenfreien Transfer überschüssigen Materials vom Pentagon an die Polizei in Gemeinden und Bundesstaaten. Darunter sind schwere Waffen wie Granatwerfer und gepanzerte, gegen Landminen geschützte Fahrzeuge, die auch in Ferguson zum Einsatz kamen. Seit Beginn des Programms im Jahr 1997 war laut Pentagon Ausrüstung im Wert von mehr als 4,3 Milliarden Dollar (3,2 Milliarden Euro) abgegeben worden.

In Ferguson versammelten sich am Donnerstagabend erneut mehrere Hundert Menschen zu einem Protestmarsch. Dabei blieb es friedlich. In den vergangenen Nächten hatte sich die Lage erst nach Einbruch der Dunkelheit zugespitzt. Die Anwohner fordern, dass der Name des Todesschützen vom Samstag und Details, wie es zum Tod des 18 Jahre alten Michael Brown kam, veröffentlicht werden. Augenzeugen berichteten, der verantwortliche Polizist habe den Teenager erschossen, nachdem dieser sich ergeben habe.