Die Polizei in St. Louis hat ein Handyvideo veröffentlicht, auf dem die tödlichen Schüsse zweier Polizisten auf den Schwarzen Kajieme Powell zu sehen sind. Powell war erschossen worden, nachdem die Polizei ihn wegen eines mutmaßlichen Ladendiebstahls stellen wollte. Die Polizisten hatten angegeben, den 25-Jährigen aus Notwehr getötet zu haben.

Auf dem Video sind Powell und drei weitere Personen zu sehen, wie sie in einer Wohnstraße in St. Louis auf die Ankunft der Polizei warten. Auf dem Bürgersteig stehen zwei Dosen Limonade, die Powell gestohlen haben soll. Die Stimmung bei den jungen Männern ist zu diesem Zeitpunkt heiter, "This is crazy", sagt die Stimme hinter der Kamera immer wieder und rühmt den Diebstahl der Limonade, nur der im Kreis laufende Powell scheint angespannt.

Schließlich filmt der Zeuge aus einiger Entfernung die Ankunft eines Streifenwagens. Powell, mit der rechten Hand in der Tasche seines Kapuzenpullis, weicht zunächst einige Meter zurück. Die Beamten steigen aus dem Wagen, ziehen ihre Waffe und fordern Powell auf, die Hand aus der Tasche zu nehmen. Der Verdächtige nimmt seine Hand aus der Tasche und geht auf die Polizisten zu und schreit mehrmals: "Shoot me, shoot me now, motherfucker!

Die Polizisten fordern Powell auf, sich auf den Boden zu legen. Der weicht einige Schritte zurück und geht danach in einem kleinen Bogen erneut auf die Beamten zu. Schließlich rufen auch die offensichtlich mit Powell bekannten Augenzeugen, die die Szene vom Standpunkt der Handykamera verfolgen, er solle sich hinlegen. 

"Die haben gerade diesen Mann getötet!"

Kurz darauf, als sich Powell bis auf wenige Meter dem Polizeiwagen genähert hat, eröffnen die Polizisten das Feuer. Powell sinkt vor dem Auto zusammen und bleibt schließlich reglos liegen. "They just killed this man", sagt die Stimme hinter der Kamera. Ob Powell zum Zeitpunkt der Schüsse bewaffnet war, ist auf dem Video nicht zu erkennen.     

Die Polizei von St. Louis selbst zeigte das Video auf einer Pressekonferenz und verbreitete es anschließend auf Twitter. Polizeichef Sam Dotson sagte, mit der Veröffentlichung des Videos solle  "Transparenz und Offenheit" demonstriert werden, um das Vertrauen der Öffentlichkeit wiederzugewinnen.

Der Tod Powells hatte die Unruhen nach dem Tod von Michael Brown, der einige Tage zuvor unbewaffnet von Polizisten in der nahe gelegenen Kleinstadt Ferguson erschossen worden war, zusätzlich angeheizt. Seit Browns Tod kam es in mehreren US-Städten zu Krawallen und Demonstrationen gegen Polizeigewalt und institutionellen Rassismus