Es gibt immer mehr antisemitische Übergriffe in Frankreich. Der örtliche Dachverband jüdischer Einrichtungen (Crif) spricht von einem dramatischen Anstieg. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres seien 529 antisemitische Vorfälle registriert worden, im selben Zeitraum des Vorjahres seien es 276 Fälle gewesen. Damit habe sich die Zahl der Übergriffe nahezu verdoppelt.

Zu der Art der Vorfälle zählen den Angaben zufolge Gewalt gegen Einzelpersonen, Brandstiftung und Vandalismus. Besorgniserregend sind Crif zufolge auch neue Formen der Gewalt gegen Juden, darunter Angriffe organisierter Banden, Anschläge auf Synagogen, Vandalismus gegen jüdische Geschäfte sowie "Terroranschläge".

Vor wenigen Wochen war es bei Protesten gegen die israelische Offensive im Gazastreifen in Frankreich wiederholt zu Krawallen gekommen. Jugendliche griffen in Paris zwei Synagogen an, setzen Autos in Brand, plünderten Läden und schleuderten Steine auf Polizisten. Die Polizei ging mit Tränengas und Gummigeschossen gegen die Randalierer vor. Der französische Premierminister Manuel Valls verurteilte die antijüdischen Ausschreitungen damals als eine "neue Art des Antisemitismus".

In Frankreich lebt die größte jüdische Gemeinde Europas, sie wird auf  500.000 bis 600.000 Mitglieder geschätzt. Frankreich hat damit nach Israel und den USA die drittgrößte jüdische Bevölkerung der Welt.

Erst vergangene Woche hatte die Jüdische Agentur für Israel mitgeteilt, dass in den ersten acht Monaten dieses Jahres so viele Juden aus Frankreich nach Israel ausgewandert sind wie aus keinem anderen Land der Welt. Seit Jahresanfang hätten rund 4.560 Juden Frankreich verlassen, um in Israel ein neues Leben zu beginnen, hieß es. Als Gründe geben sie demnach neben der Wirtschaftskrise vor allem den zunehmenden Antisemitismus an.