Seit Jahresbeginn sind in Westafrika mehr als 4.000 Menschen an Ebola gestorben. Bis zum 8. Oktober haben sich 8.399 Menschen in sieben Ländern infiziert, von denen 4.033 gestorben sind. Diese Zahlen hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) an diesem Freitag veröffentlicht. Mehr als jeder zweite Todesfall wurde in Liberia registriert. Die anderen beiden Seuchenschwerpunkte sind das Nachbarland Sierra Leone sowie Guinea. Vereinzelte Todesfälle gab es auch in Nigeria, Spanien und in den USA.

Unter den Toten sind 233 medizinische Helfer. Insgesamt haben sich mehr als 400 medizinische Helfer mit dem Virus infiziert.   

Nach der Ebola-Diagnose eines Mediziners der Vereinten Nationen sind in Liberia 41 weitere Mitarbeiter der Organisation unter eine "sehr genaue medizinische Beobachtung" gestellt worden. Das sei eine Vorsichtsmaßnahme und diene dazu, eine weitere Übertragung des Virus unmöglich zu machen, teilte die UN-Truppe in Liberia mit. Unter den 41 Beobachteten befänden sich 20 Militär-Mitarbeiter. Bei einem internationalen Mitglied des Medizinerteams war letzte Woche Ebola diagnostiziert worden. Der Patient wird derzeit in Leipzig behandelt. Bei seiner Einlieferung in die Klinik am Donnerstag hatten Ärzte seinen Zustand als "hochgradig kritisch, wenngleich stabil" bezeichnet.

Die USA und Großbritannien verschärfen die Maßnahmen

Die USA haben mit der verschärften Kontrolle von Reisenden aus Guinea, Sierra Leone und Liberia begonnen. Am New Yorker Flughafen John F. Kennedy erfassten die Behörden erstmals im großen Umfang mit speziellen Strahlungsthermometern zur berührungslosen Fiebermessung die Körpertemperatur von Passagieren. Außerdem hielten sie Fragebögen bereit, um festzustellen, ob die Reisenden Kontakt zu Menschen hatten, die an der Krankheit litten.

Großbritannien probt in einer landesweiten Simulation den Ausbruch des Virus'. Neben Ärzten, Rettungskräften und Krankenhauspersonal nehmen auch Schauspieler an der Übung teil, die Erkrankte spielen sollen. Die Regierung will auf diese Weise herausfinden, ob das britische Gesundheitssystem für den Fall eines Ausbruchs gewappnet ist.

"Es ist entscheidend, dass wir unsere Antworten auf einen möglichen Ausbruch an einer möglichst realen Situation testen – mit echten Menschen", sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in London. Auch Politiker sollen sich an der achtstündigen Aktion beteiligen. Gesundheitsminister Jeremy Hunt wird eine simulierte Sitzung des britischen Sicherheitskabinetts leiten. Die Übung hatte Premierminister David Cameron angeordnet.

Der Regierungschef war unter Druck geraten, weil die Entscheidung, an den Flughäfen Gatwick und Heathrow sowie am Eurostar-Zugterminal in London Ebola-Befragungen einzuführen, auf heftige Kritik stieß. Die Flughäfen erklärten, sie hätten keinerlei Instruktionen bekommen. Gesundheitsexperten sagen, die Kontrollen seien "völlige Zeitverschwendung".

Das Vorhaben einer landesweiten Übung ist in Europa einzigartig. Die Bundesregierung sieht keinen Anlass, eine vergleichbare Aktion in Deutschland durchzuführen. Hierzulande müsste sich niemand Sorgen wegen des tödlichen Virus' machen, sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe der Rheinischen Post.

Die für den Seuchenschutz zuständigen Landesbehörden hätten bei allen Verdachtsfällen professionell gehandelt und jede denkbare Ansteckung durch eine rechtzeitige Isolierung verhindert. Die Notfallpläne für den Umgang mit Erkrankten würden regelmäßig geübt, sagte der CDU-Politiker. Zudem verfüge Deutschland über hervorragend ausgestattete Behandlungszentren, die auf den Umgang mit hoch ansteckenden Krankheiten spezialisiert seien.

Laut WHO beträgt die Inkubationszeit bei Ebola höchstens 21 Tage.