Als erste ehemalige Sowjetrepublik will Estland homosexuelle Paare vor dem Gesetzgeber weitgehend gleichstellen. Das Parlament in Tallinn stimmte mit einer knappen Mehrheit von 40 zu 38 Stimmen für ein Gesetz, das die Einführung der Zivilehe für gleichgeschlechtliche Paare ab 2016 vorsieht. Der Text räumt Homosexuellen auch Adoptionsrechte ein. Das in Estland heftig umstrittene Gesetz kann aber erst in Kraft treten, nachdem ein Reihe anderer betroffener Gesetze reformiert ist.

Das parteiübergreifend von mehreren Abgeordneten eingebrachte Gesetz erlaubt es Homosexuellen, leibliche Kinder des Partners zu adoptieren. Paare, bei denen beide Partner unfruchtbar sind, sollen auch nicht-leibliche Kinder adoptieren dürfen.  

Homosexualität ist in Estland ebenso wie in den baltischen Nachbarstaaten meist noch ein Tabuthema. Schwule und Lesben sind sozialer Isolation und offenen Anfeindungen bis hin zu Gewalt ausgesetzt. In einer Anfang Oktober veröffentlichten Umfrage hatten sich 51 Prozent der befragten Esten gegen eingetragene Partnerschaften für homosexuelle Paare ausgesprochen. Eine Umfrage des Instituts Emor ergab sogar, dass zwei Drittel der 1,3 Millionen Esten die Homo-Ehe ablehnen.

"In der sowjetischen Gesellschaft war jeder, der anders war, ein Feind", sagte Parlamentspräsident Eiki Nestor. "Allein der Umstand, dass dieses Gesetz verabschiedet wurde, wird die Gesellschaft toleranter machen", sagte Nestor.

Homo-Ehe gibt es bereits in 14 EU-Staaten

Mehr als 17.000 Menschen hatten das Gesetz über eine Kampagne auf Facebook unterstützt. Im Werben um die Stimmen der Abgeordneten verteilten die Fürsprecher der Homo-Ehe vor dem Parlament Tausende Blumen an die Volksvertreter. Ein Bündnis namens Stiftung zum Schutz von Familie und Tradition protestierte dagegen mit Hilfe ähnlich gesinnter US-Organisationen und katholischer Gruppen gegen das Gesetz. 

Die Zivilehe für gleichgeschlechtliche Paare gibt es so oder ähnlich in 14 weiteren EU-Staaten.