Mathe? Brauchen Islamisten nicht, lässt der Mann mit falschem langem schwarzen Bart und Badelatschen seine Interviewpartnerin wissen. Allah wird es richten. Dafür sei aber eine eigene Sportmannschaft geplant: IS United. Die Journalistin im Minikleid und High Heels nickt dem Radikalen zu und rückt sich die Frisur zurecht. Plötzlich wird der Radikale wütend: Das männliche Kamerateam und die Interviewerin sind nicht verwandt? Der Islamist nimmt das Gewehr neben sich, schießt und packt die Journalistin. Interviewende.

Dieser Sketch der Ktir Salbe-Satireshow, ausgestrahlt auf dem libanesischen Sender LBC, ist seit Anfang Oktober im Netz zu finden. Es ist nicht der erste Beitrag, der sich über die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) lustig macht: Aus vielen arabischen Ländern landen Videos, Karikaturen und Lieder online, die auf den grausamen Terror mit Satire antworten. Die IS-Kämpfer werden darin wenig zimperlich als dümmliche Fanatiker oder scheinheilige Korinthenkacker präsentiert.

Der beißende Humor ist angesichts der dramatischen Lage manchmal nur schwer zu ertragen. Unter Muslimen ist das Material zudem umstritten, weil es auch als Botschaft an den Westen verstanden werden könne: Der IS hat nichts mit unserem Islam zu tun, vergesst das bitte nicht. Manche Muslime lehnen diese Erklärungsversuche als unterwürfige Verteidigungshaltung ab.

IS nutzt Netz für Propaganda

Aber gerade angesichts der ausgeklügelten Propagandastrategie der Terrormiliz, die damit weltweit Anhänger rekrutiert, ist die kreative Form der Gegenwehr wichtig. "Das ist schon eine ziemlich gute Antwort auf die Internetaktivitäten des IS", sagte Katajun Ampirpur, Islamwissenschaftlerin von der Universität Hamburg. "Man will damit zeigen, dass man den Inhalten von IS etwas entgegenzusetzen hat und will diese inszenierte Unangreifbarkeit brechen."

Der IS setzt sich im Netz gekonnt in Szene: Er nutze gezielt soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook, um seine Botschaften zu verbreiten, sagte Stephan Humer, Internetsoziologe und Gründer des Netzwerks Terrorismusforschung. Das öffentliche Interesse mache aus den Propagandavideos virale Inhalte – auch wenn Kampagnen wie #ISISMediaBlackout auf Twitter versuchten, dem IS Medienpräsenz zu entziehen.

Bei Behörden mit ihrer klassischen Medienarbeit registriert Humer dagegen eine gewisse Ratlosigkeit angesichts der "sehr modernen und professionellen Kommunikationsstrategie des IS." Durch seine Kriegsrhetorik und Propagandavideos wolle der IS seinen Anhängern das Gefühl geben, nah am Kampfgeschehen zu sein. "Und es geht ganz klar darum, Angst und Schrecken zu verbreiten."

Millionen Klicks für ein Satirevideo

Dieses Ziel dürfe der IS nicht erreichen, sagt Maher Shalabi. Er ist Geschäftsführer des palästinensischen Senders Al Falastinia. Auch sein Sender zeigte im Sommer ein Video, das die Terroristen durch den Kakao zieht. IS-Kämpfer lauern darin am Wegesrand Passanten auf, das Verhalten der Radikalen ist allerdings genauso trottelig wie grausam, sodass ihnen ein Opfer, ein arabischer Christ, entwischen kann. Er stirbt dann aber vorzeitig an einem Herzinfarkt, sodass keiner der Kämpfer den Toten für sich reklamieren kann.