Kimberly Butler, 29 Jahre, Marketing Sales

Mein Blog heißt Black girl in Berlin, ich gründete ihn einen Monat vor meinem Umzug nach Berlin. Da hatte der Titel noch keine Bedeutung. Erst als ich hier lebte, bemerkte ich, dass ich überall angestarrt werde. Ich habe angefangen, über meine teils witzigen, teils grausigen Erfahrungen zu schreiben. Ich werde angespuckt, für eine Prostituierte gehalten, Fremde fassen meine Haare an. 

Dabei kleide ich mich nicht provokant. Ich denke jeden Morgen darüber nach: Was kann ich anziehen, damit ich niemandem auffalle? Das ist anstrengend. Kann ich heute einfach mal ich sein? In den USA gibt es auch Rassismus, aber da war ich Kimberly. Hier bin ich zuerst eins: schwarz.     

Wenn ich Englisch spreche, lächeln Menschen mich oft an. Wenn sie mich jedoch nicht kennen, scheinen sie mir nicht zu trauen. Wenn ich mein Monatsticket mit Kreditkarte bezahlen möchte, muss ich meinen Ausweis zeigen. Das ist mir nie passiert, wenn mein deutscher Ex-Freund daneben stand. Es ist, als müsste ich Menschen erst überzeugen, damit sie mich respektieren.

Deutschland und die USA haben beide Probleme, aber hier in Deutschland wird weniger darüber gesprochen. In den Medien sind Schwarze unterrepräsentiert, Türken natürlich auch. Die dominante Bevölkerung müsste einfach einmal zugeben: Das Leben für Minderheiten ist härter und voller Barrieren.

Wenn ich einen Sohn hätte, würde ich allerdings nicht befürchten müssen, dass er hier erschossen wird. Weil Deutsche nicht so oft schießen. Manchmal frage ich mich: Wie wäre es, wenn sie mehr Waffen hätten?

"Eine Mutter rubbelt an meiner Haut"

Nicole Blake, 36 Jahre, Projektmanagerin 

Ich werde oft gefragt, wie ich mein Land verlassen und an einem Ort leben kann, an dem ich immer als Außenseiter oder Ausländer gesehen werde. "Vermisst du nicht deine Heimat?" Diese Menschen verstehen nicht, dass ich in Amerika auch ein Fremder, eine Minderheit war. Ich fühlte mich nicht zu Hause, vor allem fühlte ich mich nicht sicher. Ich wollte meine Tochter nicht in einem Land aufziehen, in dem die Polizei schwarze Kinder als nicht so unschuldig sieht wie weiße.

Ich hatte zwar die amerikanische Staatsbürgerschaft, aber ich war eine andere Amerikanerin. In Deutschland behandeln viele Konservative türkische Einwanderer ähnlich, auch wenn sie seit Generationen hier sind. Sie sind nicht so richtig deutsch. Selbst weltoffene Menschen haben da Probleme. Als jemand zu mir sagte: "Oh, wie schön, Amerika hat einen langen Weg hinter sich, endlich ist ein Schwarzer Präsident." Da habe ich geantwortet: "Ich warte auf den Tag, an dem ein Türke Kanzler wird." Da antwortete er: "Das wird niemals passieren."

Einmal kam ich mit meinen Cousins und meiner Tochter aus dem Zoo, fünf Schwarze. Und jemand rief uns nach: "Stopp, stopp, stopp. Können wir ein Bild von euch machen?" Ich hab nur geantwortet: "Der Zoo ist da entlang." Wir sind doch keine Tiere.

Ein anderes Mal stand ich in einer Bäckerei, als ein Kind mich anstarrte. Die Mutter kam zu mir und sagte: "Wir waren letzte Woche in London, da gibt es viele von euch." Sie begann an meiner Haut zu rubbeln, um ihrem Kind zu zeigen, dass die Farbe nicht abgeht.           

Deutschland diskutiert heute über ethnische Herkunft und Minderheiten, wie die USA in den fünfziger und sechziger Jahren. Die Menschen hier verstehen oft nicht, dass es nicht reicht zu sagen: "Aber ich meinte es nicht rassistisch." Es verletzt trotzdem meine Gefühle.