Das Verfahren gegen den Jenaer Jugendpfarrer Lothar König ist eingestellt worden. Der Geistliche war wegen des Vorwurfs, zur Gewalt aufgerufen zu haben, vor Gericht gestellt worden: Während Anti-Nazi-Demos 2011 in Dresden soll er aggressive, gewaltverherrlichende Musik gespielt haben und Demonstranten über ein Megaphon zur Gewalt gegen die Polizei aufgerufen haben. König hatte ausgesagt, er habe im Gegenteil versucht, beschwichtigend auf die Demonstranten einzuwirken. 

Wie die Staatsanwaltschaft und Königs Anwälte mitteilten, habe man sich darauf verständigt, den Prozess gegen eine Zahlung von 3.000 Euro zu beenden. Das Geld werde, so die Verteidigung Königs, je zur Hälfte an den Justizfiskus des Freistaats Sachsen und den Evangelisch-Lutherischen Kirchenbezirk in Dresden Mitte gezahlt. 

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, die Behörde habe der Einstellung vor allem deshalb zugestimmt, weil die mutmaßlichen Taten schon drei Jahre zurücklägen. Die Verteidigung sagte, ihr Mandant wolle "einen Beitrag zum Rechtsfrieden leisten". König hatte die Vorwürfe gegen sich stets bestritten und zeigte sich erleichtert vom Ausgang des bundesweit beachteten Verfahrens.

An der Schuld Königs hatten stets Zweifel bestanden. Mitten im Prozess tauchten plötzlich 200 Stunden polizeiliches Videomaterial auf, die König – so hatte es damals geheißen – entlasten sollten. Im Sommer 2013 war der Prozess schon einmal ausgesetzt worden, nachdem das vorgelegte Beweismaterial nicht stichhaltig genug gewesen waren. Immer wieder war auch von Fehlern der ermittelnden Polizeibehörde die Rede.   

Im Februar 2011 war es bei einer Kundgebung in Gedenken an die Bombardierung Dresdens zu schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten gekommen. Auch gegen zwei Polizeibeamte wurde zwischenzeitlich wegen übertriebener Gewaltanwendung ermittelt.