Die Staatsanwaltschaft Gera hat Tino Brandt wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen angeklagt. Das bestätigte ein Sprecher dem MDR. Dem Neonazi und früheren V-Mann des Thüringer Verfassungsschutzes wird zudem vorgeworfen, Prostitution und sexuelle Handlungen von Minderjährigen zu fördern. 

Insgesamt geht es demnach um 157 Fälle. In 45 Fällen soll Brandt minderjährige Jungen gegen Geld zum Sex an Erwachsene vermittelt haben.

Der Rechtsextreme habe in den Vernehmungen einen Teil der Vorwürfe eingeräumt, heißt es. Er sitzt wegen der Vorwürfe seit Juni 2014 in Untersuchungshaft.  

Laut Spiegel Online liegt Brandts Verteidiger die Anklageschrift noch nicht vor. Er gehe jedoch davon aus, dass "sie im Wesentlichen auf den Einlassungen des Beschuldigten" selbst beruhe. Brandt wolle sich in der Hauptverhandlung vor Gericht "geständig einlassen".

Brandt verdiente am Sex der Jugendlichen

Der MDR berichtet, Brandt habe die Kinder und Jugendlichen in seinem Bekanntenkreis rekrutiert. Der Sex habe in den Privatwohnungen der Betroffenen stattgefunden, Brandt habe bis zu 60 Prozent der Einnahmen kassiert.

Die Fahnder waren bei Betrugsermittlungen gegen Brandt auf die Fälle gestoßen. Seit mehr als zwei Jahren ermitteln Beamte gegen ihn und zwölf weitere Beschuldigte wegen Versicherungsbetrugs. Es geht um fingierte Arbeitsunfälle, mit denen die Beschuldigten Millionen erschlichen haben sollen. Diese Ermittlungen laufen noch.  

Kontakte zum NSU-Trio

Brandt gehörte über viele Jahre zu den Köpfen der organisierten Neonazi-Szene in Thüringen. Er hat die Neonazi-Organisation Thüringer Heimatschutz mit aufgebaut. In dieser Organisation waren auch Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe vom NSU aktiv. 

Der Neonazi Brandt hatte Mitte der 1990er Jahre für einige Zeit als V-Mann für das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz gearbeitet. Im derzeit laufenden NSU-Prozess in München ist er einer der Hauptzeugen.