Zivilcourage bedeutet Mut. "Tuğçe war immer eine Mutige gewesen", sagt eine Freundin. Doch Tuğçe A., Studentin aus Offenbach, hat für ihren Mut mit dem Leben bezahlt.

Am 15. November soll die 22-jährige Studentin Tuğçe A. in einem Offenbacher Fast-Food-Restaurant zwei Mädchen verteidigt haben, die vor der Toilette belästigt wurden. Danach wartete einer der Täter auf dem Parkplatz auf die Studentin, schlug sie. Tuğçe A. fiel zu Boden und verletzte sich schwer. Am heutigen Donnerstag erklärten die Ärzte die junge Frau für hirntot. Ihre Familie hat angekündigt, am Freitag – ihrem 23. Geburtstag – die Maschinen abstellen zu lassen. Ein tatverdächtiger 18-Jähriger sitzt in Untersuchungshaft.

Tuğçe A. ist anderen zu Hilfe gekommen, sie hat genau die Zivilcourage gezeigt, die Politiker, Polizei und Vereine immer wieder fordern und für die große Kampagnen organisiert werden. Nun gibt es eine Welle der Solidarisierungen: "Tuğçe zeigte Zivilcourage, zeigen wir Ihr unseren Respekt", heißt eine Facebook-Seite, der fast 60.000 Menschen folgen; das Video von einer Mahnwache mit Freunden und Familie haben sich bereits mehr als 300.000 Menschen angesehen.

Doch Fälle wie der von Tuğçe A. wecken auch Angst: Wie soll man Zivilcourage zeigen, wenn man dabei um sein Leben fürchten muss? Eine ähnliche Debatte hatte es gegeben, nachdem 2009 in München-Solln der 50-jährige Dominik Brunner zwei Kinder beschützen wollte. Er wurde von den Tätern verprügelt und starb.

Ob Menschen weniger Zivilcourage zeigen, nachdem solche Fälle von Gewalt bekannt geworden sind, lässt sich kaum sagen, erklärt Harald Schmidt, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. "Zivilcourage lässt sich nicht messen."

"Es gibt leider immer wieder tragische Einzelfälle", sagt Schmidt. Die blieben den Menschen dann besonders im Gedächtnis. "Aber tagtäglich helfen Menschen anderen, und es geht gut." Und er hat Recht: Wie oft irgendwo jemand einem anderen hilft, das wird nicht erfasst.

Deshalb suchen wir Ihre Geschichten: Wo haben Sie Zivilcourage erlebt? Wem haben Sie schon helfen können? Wann hätten Sie gerne geholfen, aber sich nicht getraut? Erzählen Sie es in den Kommentaren, oder auf Twitter mit dem Hashtag #Zivilcouragehilft.