Der Würzburger Arzt Josef Schuster ist neuer Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er wurde am Sonntag in Frankfurt am Main zum Nachfolger von Dieter Graumann gewählt, der nach vier Jahren im Amt nicht mehr kandidierte.

Schuster war bisher Vizepräsident des Zentralrats. Er ist auch Präsident des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. Die jüdische Gemeinschaft sei Teil der deutschen Gesellschaft, sagte Schuster nach der Wahl. "Wir möchten auch in Zukunft das Leben in Deutschland mitgestalten."

Der 60-Jährige war der einzige Kandidat, der sich zur Wahl stellte. Sein Vorgänger Dieter Graumann gab bereits vor einem Monat bekannt, nicht erneut kandidieren zu wollen. Er begründete die Entscheidung mit der großen Belastung durch das Ehrenamt. Schuster würdigte Graumanns Engagement in dessen Amtszeit. Er habe "Außerordentliches" geleistet.

Dainow und Lehrer werden Vizepräsidenten

Josef Schuster wurde 1954 in Israel geboren. Kurz darauf kehrte er mit seinen Eltern nach Deutschland zurück. Er studierte Medizin und wurde Internist, bis heute arbeitet er als Arzt. Der Vater zweier erwachsener Kinder ist seit fast 32 Jahren verheiratet. Wie Graumann gehört Schuster zur ersten Generation, die den Nationalsozialismus und den Massenmord an europäischen Juden nicht selbst erlebt hat.

"Wir wollen aber nicht ein Dach sein, das irgendwo über den Gemeinden schwebt", sagte Schuster. "Sondern ein gutes Dach muss mit dem Rest des Hauses fest verbunden sein. Die Gemeinden bilden unser Fundament." Dem Zentralrat gehören rund 108 jüdische Gemeinden mit mehr als 100.000 Mitgliedern an. Die Amtszeit als Präsident beträgt vier Jahre. Zu Vizepräsidenten wurden Mark Dainow (Offenbach) und Abraham Lehrer (Köln) gewählt.   

SPD-Chef Sigmar Gabriel und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, beglückwünschten Schuster zu seiner Wahl. Sie versicherten ihm, weiterhin gegen jede Form von Antijudaismus und Antisemitismus öffentlich einzutreten. Damit bezogen sie sich auch auf eine Welle antisemitischer Proteste in Deutschland während der israelischen Angriffe auf den Gazastreifen im Sommer.