An Bord eines in der Adria treibenden Frachters mit Flüchtlingen an Bord waren deutlich mehr Menschen als bislang bekannt. An Bord der Blue Sky M seien rund 900 Flüchtlinge gewesen, teilte die italienische Küstenwache mit. Sie stammten überwiegend aus Syrien. Unter ihnen war auch eine schwangere Frau kurz vor der Niederkunft.

In der Nacht hatte die italienische Küstenwache die Kontrolle über die Blue Sky M übernommen. Indem die Sicherheitskräfte eingeschritten seien, hätten sie eine Katastrophe verhindert, sagte der Sprecher der Küstenwache, Filippo Marini. Ansonsten wäre das Schiff aufgrund einer einprogrammierten Route auf die Küste geprallt.

Das Schiff ist mittlerweile im Hafen süditalienischen Küstenstadt Gallipoli. Zuvor hatte die griechische Hafenpolizei nach einer Kontrolle nichts Ungewöhnliches gemeldet. 

Am Dienstagmorgen hatten die griechischen Behörden einen Notruf vom Frachter erhalten und Kontakt mit dem Kapitän aufgenommen. Dieser erklärte jedoch, sein Schiff habe keine Probleme und er benötige keine Hilfe.

Der Notruf stammte laut Behördenangaben von einem Passagier auf der Blue Sky M. Der Operationschef der griechischen Küstenwache, Admiral Nikolaos Patrinos, sagte, der Mann habe erklärt, die Menschen an Bord hätten kein Wasser, keine Nahrung und keine Decken.

Daraufhin hätten die griechischen Behörden die Fregatte Navarino sowie einen Hubschrauber in das Gebiet nahe der Insel Othonoi nordwestlich von Korfu geschickt. Vorsorglich entsandte Italien zudem zusätzlich zwei Helikopter. Laut der italienischen Marine landete ein Helikopter auf dem Deck des Schiffs und setzte sechs Soldaten ab. An Bord entdeckte das Team die Flüchtlinge. Trotz eines Motorschadens konnten die Sicherheitskräfte den Kurs des Schiffes ändern und erreichten den Hafen.

Vorfall in der Nähe der "Norman Atlantic"

Der Ursprungshafen des Schiffes war unklar. Den Behörden zufolge wollte die Blue Sky M in den kroatischen Hafen Rijeka im Norden der Adria. Kurz nach einer Überprüfung durch die griechische Hafenpolizei änderte der Frachter jedoch den Kurs und steuerte auf Italien zu.

Wegen Armut oder Kriegen versuchen jährlich Zehntausende Menschen aus dem Nahen Osten, Afrika und Asien über das Mittelmeer nach Europa zu fliehen. Auf der gefährlichen Überfahrt kommen Tausende ums Leben.

In dem Seegebiet vor Korfu war am Sonntag die Fähre Norman Atlantic mit mehr als 450 Menschen an Bord in Brand geraten. Die meisten Passagiere und Besatzungsmitglieder wurden in einer dramatischen Rettungsaktion von Bord geholt. Mindestens elf Menschen starben. Bei der Bergungsaktion verunglückten zudem zwei albanische Seeleute tödlich. Die Fähre treibt immer noch qualmend und manövrierunfähig in der Adria.