Ein 28-Jähriger hat im New Yorker Stadtteil Brooklyn zwei in ihrem Streifenwagen sitzende Polizisten mit Kopfschüssen getötet. Der Täter habe ohne Vorwarnung durch das Fenster mehrfach auf die Beamten gefeuert, sagte Polizeichef William Bratton. Die Polizisten mit asiatischem und einen hispanischem Hintergrund hätten keine Chance gehabt, ihre Waffen zu ziehen. Der mutmaßliche Schütze sei nach den Todesschüssen in eine nahe gelegene U-Bahnstation gerannt, wo er sich mit Schüssen in den Kopf selbst getötet habe.

"Obwohl wir noch nicht alle Einzelheiten kennen, ist es klar, dass dies eine Hinrichtung war, dass diese Polizeibeamten wie bei einer Exekution erschossen wurden", sagte Bürgermeister Bill de Blasio. Das Motiv des mutmaßlichen Täters ist noch nicht geklärt. Der Mann hatte laut Bratton aber zuvor in dem sozialen Netzwerk Instagram "sehr polizeifeindliche" Kommentare abgegeben. Zwei Beamte sagten der Nachrichtenagentur AP, er habe davon gesprochen, zwei "Schweine" als Vergeltung für den Tod von Eric Garner zu erschießen. Polizeichef Bratton schloss einen Zusammenhang nicht aus. Vor dem Angriff auf die Beamten soll er laut Polizei in Baltimore seine frühere Freundin durch Schüsse verletzt haben. 

Der mutmaßliche Täter wohnte in Georgia und war der Polizei bereits mehrfach aufgefallen. Unter anderem wurde er wegen Raubs, Ladendiebstahls, des Tragens einer versteckten Waffe, Ruhestörung und Behinderung eines Vollzugsbeamten festgenommen.

US-Präsident Barack Obama verurteilte den doppelten Polizistenmord. "Zwei tapfere Männer werden nicht zu ihren Lieben zurückkehren", sagte Obama. Dafür gebe es "keine Rechtfertigung". Polizisten riskierten ihre eigene Sicherheit, um ihren Gemeinschaften zu dienen und sie zu schützen, sagte Obama. Sie verdienten deshalb den Respekt und die Dankbarkeit der Öffentlichkeit. US-Justizminister Eric Holder bezeichnete die Tat als "entsetzlichen Akt der Barbarei".

Der Angriff auf die Polizisten kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Polizei heftig für ihr Vorgehen gegen Schwarze kritisiert wird. Unter anderem hatte ein Polizist in New York City den unbewaffneten Schwarzen Garner in einen umstrittenen Würgegriff genommen, wodurch der Mann starb. Mehrere Beamte wurden im Anschluss bei Protesten gegen Polizeigewalt in der Millionenmetropole angegriffen. Auch der getötete Jugendliche Michael Brown war unbewaffnet. In beiden Fällen wurden die beteiligten Polizisten nicht strafrechtlich verfolgt.

Die Familie des in der US-Kleinstadt Ferguson durch Polizeischüsse getöteten Jugendlichen Michael Brown hat den Polizistenmord in New York als sinnlos verurteilt. "Wir lehnen jede Art von Gewalt gegen Gesetzeshüter ab", teilten die Anwälte der Familie in der Nacht mit. "Es kann nicht toleriert werden. Wir müssen zusammenarbeiten, damit in unseren Gemeinden Frieden herrscht."