These: "Wir sind nicht politisch korrekt und wollen endlich wieder Meinungsfreiheit."

Politisch korrekt sind viele der Demonstranten tatsächlich nicht. Allen voran Bachmann selbst, der im vergangenen Jahr auf Facebook schrieb, die Grünen seien "Ökoterroristen" und gehörten standesrechtlich erschossen, allen voran "Claudia Fatima Roth".   

Der Politik und damit auch der deutschen Gesellschaft werfen sie vor, keine Meinungsfreiheit zuzulassen. Genau diese Freiheit üben die Demonstranten aus, wenn sie Woche für Woche nach Dresden kommen, um durch die Stadt zu ziehen und ihrer Plakate in die Kameras zu halten.  

Einem Gespräch wollen sich die meisten von ihnen nicht stellen. Redet nicht mit der Presse, sagt Bachmann immer wieder. Er hat Sorge, missverstanden zu werden, und wirft den Medien vor, Propaganda zu verbreiten und gleichgeschaltet zu sein. Die meisten Pegida-Anhänger halten sich an das Redeverbot. Nicht selten ist ein "Verpiss dich!" zu hören, wenn ein Journalist eine Frage stellt.

These: "Wir haben Null Toleranz gegenüber kriminellen Zuwanderern."

Nach Angaben des Dresdner Polizeipräsidenten Dieter Kroll sind Asylbewerber strafrechtlich nicht auffälliger als Deutsche. Das betreffe auch die Umgebung von Asylunterkünften. "Es gibt Ausländerkriminalität", sagte er Ende November beim Bürgerdialog Asyl in Dresden. Davon aber die Gefährlichkeit einer ganzen Menschengruppe abzuleiten, gehe zu weit. Die Einsetzung einer Sondereinheit lehnt er ab. "Wenn ein Asylbewerber eine Straftat begeht, dann machen wir unseren Job", so Kroll.  

Bachmann ist selbst kriminell, macht daraus aber keinen Hehl. Er ist vorbestraft, saß mehrmals in Haft und ist im Moment auf Bewährung frei. Der Grund: Drogenhandel. Sein Strafregister ist lang: Diebstahl, Einbruch, Anstiftung zur Falschaussage, Fahren ohne Führerschein, Trunkenheit am Steuer. Ende der 1990er Jahre wurde er zu vier Jahren Haft verurteilt, floh nach Südafrika und wurde dort erst zwei Jahre später von der Einwanderungsbehörde gefasst.

These: "Die armen Rentner in Deutschland sitzen ohne Strom in kalten Wohnungen und können sich noch nicht mal ein Stück Stollen leisten, während der Staat Asylbewerbern voll ausgestattete Unterkünfte zur Verfügung stellt."

Es stimmt, dass die Altersarmut in Deutschland zunimmt. Gründe dafür sind laut des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin unter anderem die Lohnentwicklung und Rentenreformen der vergangenen Jahre. Allein in den letzten acht Jahren stieg die Zahl der Menschen ab 65 Jahren, die auf eine Grundsicherung angewiesen sind, um etwa 45 Prozent. Betroffen sind inzwischen etwa eine halbe Million Senioren. Das existenzielle Minimum, das sie bekommen, ist eine Leistung der Sozialhilfe, das von den Bundesländern bezahlt wird. Die Grundsicherung im Alter entspricht etwa der Höhe der Hartz-IV-Leistung: 391 Euro im Monat, zusätzlich Miet- und Heizkosten.

Die Leistungen, die ein Asylsuchender in Deutschland bekommt, sind im Asylbewerberleistungsgesetz geregelt. Das ist ein eigenständiges Gesetz. Es handelt sich bei den Leistungen in erster Linie um Sachleistungen wie Nahrung, Unterkunft und Kleidung. Zusätzlich dazu bekommen Asylsuchende Bargeld. Seit Januar 2014 sind das für Alleinstehende 140 Euro im Monat. Die Unterkünfte – hauptsächlich Gemeinschaftszimmer – sollen humanitären Maßstäben entsprechen. Fernseher, Internetzugang und Telefonmöglichkeiten für den Kontakt zu den Familien im Herkunftsland gehören in der Regel dazu. 

These: "Wir haben nichts gegen Flüchtlinge. Kriegsflüchtlinge können gerne kommen, Wirtschaftsflüchtlinge aber nicht."

Asyl gibt es in Deutschland nur für politisch Verfolgte. Es ist ein Grundrecht, das im Grundgesetz verankert ist. Menschen, die aus ökonomischen Gründen nach Deutschland kommen, weil sie sich hier ein besseres Leben versprechen, fallen in der Regel nicht unter das Asylrecht und haben keinen Anspruch auf Asyl. Das gilt für diejenigen, die ihr Heimatland ausschließlich aus wirtschaftlichen Gründen verlassen, ohne dass zumindest eine erhebliche konkrete Gefahr für Leib oder Leben besteht. 

2014 wurde nach Angaben des Bundesinnenministeriums bisher etwa jeder dritte Asylantrag abgelehnt. "Man kann anhand dieser Zahl nicht darauf schließen, dass es sich bei diesen Asylsuchenden um Menschen handelt, die wegen der wirtschaftlichen Lage ihr Heimatland verlassen haben", sagt Bernd Mesovic, stellvertretender Geschäftsführer von Pro Asyl ZEIT ONLINE. "Die Maßstäbe des Asylrechts und der Entscheidungen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge sind eng. So werden etwa auch Asylsuchende aus Afghanistan abgelehnt, trotz der sich dort weiter verschlechternden Sicherheitslage." Oft scheitern die Verfahren auch aus rein formellen Gründen.

Deutschlandweit kommen nach Angaben des Bundesamtes in diesem Jahr etwa 200.000 Asylbewerber nach Deutschland, Sachsen muss etwa 12.000 aufnehmen. Nach Angaben des sächsischen Innenministeriums sind im laufenden Jahr gerade einmal 0,3 Prozent der Anträge in Sachsen anerkannt worden.

These: "Die Politik hört uns nicht zu, deshalb müssen wir selbst aktiv werden."

Die Veranstalter von Pegida fordern, die Politik solle ihnen zuhören. Die Anhänger selbst verweigern aber jedes Gespräch. Die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung hatte das Bündnis Anfang Dezember zu einer Diskussionsrunde eingeladen. Thema: "Wie verteidigen wir das Abendland?" Vertreter von Pegida waren nicht dabei. Das Bündnis hatte abgesagt.  

Auf die Frage, warum er nicht Sachsens neue Integrationsministerin zu einer der Demonstrationen einlade, sagte Bachmann: "Sie kann gern kommen! Aber sie läuft Gefahr, ausgebuht zu werden. Sie schwingt bis jetzt die Nazi-Keule, aber unsere Demonstranten sind keine."

Den Plan von Bundesinnenminister Thomas de Maizière, kriminelle Ausländer schneller abzuschieben, tat Bachmann als Augenwischerei ab. Er begrüße die neuen Gesetze, sagte er auf einer Veranstaltung in Dresden, aber das sei reine Beruhigungstaktik, die das Volk davon abhalten solle, selbst zu denken.