Bei einem der schwersten Terroranschläge in Frankreich seit Jahrzehnten sind beinahe alle Verantwortlichen des Satiremagazins Charlie Hebdo ermordet worden. Die Staatsanwaltschaft sprach von zwölf Toten, darunter seien auch zwei zum Schutz der Mitarbeiter abgestellte Polizisten. Später auf ihrer Flucht mit einem Auto gaben die Täter weitere Schüsse ab – eine Passantin wurde dadurch verletzt. Die Tat löste weltweit Entsetzen aus. 

Zeugen zufolge drangen am Vormittag zwei schwarz vermummte Männer mit Kalaschnikows in die Redaktionsräume ein und schossen um sich. Die Terroristen riefen "Allah ist groß" und "Wir haben den Propheten gerächt". Zeichnerin Corinne Rey überlebte den Anschlag: "Sie sprachen perfekt Französisch", sagte sie der Zeitung l'Humanité. Dabei hätten sie behauptet, zur Terrororganisation Al-Kaida zu gehören. Der Überfall habe etwa fünf Minuten gedauert; sie habe unter einem Schreibtisch Deckung gesucht.

Das Vorgehen der Täter lässt nach Angaben der Polizei auf professionell ausgebildete Killer schließen. Das werde etwa auf Bildern von der Tat, die die Augenzeugen mit ihren Handys machten, sichtbar: "Man sieht es ganz deutlich an der Art und Weise, wie sie ihre Waffen halten, wie sie völlig ruhig und kalt vorgehen", sagte ein Polizist. "Sie haben ganz offensichtlich eine Art Militärausbildung durchlaufen." Die Attentäter seien "keine Illuminaten, die unüberlegt handelten" oder wild um sich schießen würden. Statt dessen hätten sie sauber Schuss für Schuss abgegeben.

Auf einem vom Dach eines Nachbargebäudes aufgenommenen Video ist zu sehen, wie gut die Angreifer ausgerüstet waren: Schwarze Kleidung, Sturmmasken, Sportschuhe, Westen, die möglicherweise kugelsichere Westen darunter verdecken sollten. Auf der Flucht bemerkten sie einen Polizisten auf dem Fahrrad, sie stiegen aus und töteten den Beamten und stiegen dann ohne Eile wieder ins Auto.

Politiker verurteilen Anschlag

Frankreichs Präsident François Hollande kam unmittelbar nach der Tat zum Tatort und rief die Franzosen zur Einheit auf. Er sprach von Barbarei und einen "Schock für Frankreich". Nach einer Krisensitzung des Kabinetts teilte die Regierung mit, es seien drei Täter gewesen.

"Diese abscheuliche Tat" sei ein Angriff auf die Meinungs- und Pressefreiheit, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ebenso äußerte sich der Rat der Muslime in Frankreich.  US-Präsident Barack Obama bot Frankreich, als dem "ältesten Verbündeten Amerikas", jede Hilfe an, "um diese Terroristen vor die Justiz zu bringen". Auch islamische Staaten wie Katar, Muslimverbände, die EU und die Nato verurteilten die Tat.

Unter den Toten sind der Mohammed-Karikaturist und Redaktionsleiter "Charb" alias Stéphane Charbonnier und sein Leibwächter. Charbs Name stand im Frühjahr 2013 im Internetmagazin Inspire der Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) auf einer Fahndungsliste. Die AQAP verübt vor allem im Jemen Anschläge. Neben Charb sind acht weitere Personen zu sehen, darunter der dänische Mohammed-Karikaturist Kurt Westergaard und der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders. 

Houellebecq in "Charlie Hebdo"

Der Anschlag erfolgte am Tag des Erscheinens des islamkritischen Romans Soumission(Unterwerfung) von Michel Houellebecq in Frankreich. Charlie Hebdo hatte aus diesem Anlass Houellebecq am heutigen Mittwoch auf sein Titelblatt gehoben und sich über den Schriftsteller lustig gemacht. Der Roman beschreibt das Leben in Frankreich unter einem muslimischen Präsidenten.

Die Redaktion von Charlie Hebdo war mehrfach wegen Mohammed-Karikaturen in die Kritik geraten. Bereits im November 2011 waren nach der Veröffentlichung einer "Scharia"-Sonderausgabe mit einem "Chefredakteur Mohammed" die Redaktionsräume in Flammen aufgegangen. Die Internetseite war zudem mehrfach von Hackern angegriffen worden.