Trotz internationaler Gnadenappelle sind in Indonesien fünf Ausländer wegen Drogenvergehen exekutiert worden. Die vier Männer aus Brasilien, Malawi, Nigeria und den Niederlanden sowie eine Indonesierin seien in der Nacht zum Sonntag auf der Insel Nusakambangan von einem Erschießungskommando hingerichtet worden, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft. Eine weitere Frau aus Vietnam wurde in Boyolali exekutiert. Beide Gegenden befinden sich in der Provinz Jawa Tengah. 

Indonesiens Präsident Joko Widodo hatte im Dezember Gnadengesuche der Todeskandidaten abgelehnt. Die brasilianische Staatschefin Dilma Rousseff und die niederländische Regierung hatten die Exekutionen ihrer Bürger in letzter Minute zu stoppen versucht.

Es waren die ersten Hinrichtungen, die unter dem neuen Staatschef Joko Widodo vollstreckt wurden. Widodo hat im Oktober das Amt übernommen. Er hatte zwar Reformen angekündigt, seine Befürwortung der Todesstrafe für die harschen Anti-Drogen-Gesetze des Landes aber nicht infrage gestellt.  

Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff sei "bedrückt und empört", weil Indonesien trotz ihrer wiederholten Bemühungen die Todesstrafe gegen den 53-jährigen Marco Archer Cardoso Moreira vollstreckt habe, sagte ein Sprecher der Präsidentin. "Die Vollstreckung der Todesstrafe, die von der internationalen Gemeinschaft zunehmend abgelehnt wird, wirkt sich ernsthaft auf die Beziehungen unserer beiden Länder aus."

Niederlande ziehen Botschafter ab

Der niederländische Außenminister Bert Koenders berief den niederländischen Botschafter in Jakarta vorübergehend ab. Er sei "unglaublich traurig" über den Tod der sechs Menschen, erklärte Koenders. "Mein Herz ist bei ihren Familien, für die dies nun das dramatische Ende von Jahren der Ungewissheit ist."

Der niederländische König Willem-Alexander und Ministerpräsident Mark Rutte hätten mit dem indonesischen Präsident in Kontakt gestanden, sagte Koenders. Die Regierung habe "alles in ihrer Macht stehende" versucht, um die Hinrichtung des 62-jährigen Niederländers Ang Kiem Soei zu stoppen. Er war wegen des Betriebs eines riesigen Ecstasy-Labors zum Tode verurteilt worden. Die anderen wurden alle wegen versuchten Drogenschmuggels in den Jahren 2000 bis 2011 verurteilt.

Auch die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini hatte versucht, bei der Regierung in Jakarta Druck zu machen. Rupert Abbott von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach von einem "sehr traurigen Tag". Er forderte die Regierung auf, weitere geplante Exekutionen zu stoppen. Laut Behördenangaben sind in dem südostasiatischen Inselstaat insgesamt 20 Hinrichtungen für dieses Jahr geplant. Unter anderen sind eine britische Großmutter, zwei Australier und ein Franzose zum Tode verurteilt worden.

Indonesien hatte die Vollstreckung der Todesstrafe 2008 ausgesetzt, sie 2013 aber wieder aufgenommen. Im vergangenen Jahr war niemand hingerichtet worden. Die Verhängung der Todesstrafe für Drogendelikte begründen die Behörden mit täglich 50 Drogentoten. Rund 4,5 Millionen der insgesamt etwa 250 Millionen Indonesier seien drogenabhängig.