Die italienische Küstenwache hat die Kontrolle über einen führerlos im Mittelmeer treibenden Frachter übernommen. An Bord sind Hunderte Flüchtlinge. Sie wurden offenbar von Schleppern bei rauer See alleine aufs Meer geschickt. Das unter der Flagge von Sierra Leone fahrende Schiff befand sich demnach 37 Kilometer vor der Küste von Crotone in der süditalienischen Region Kalabrien.

Die Luftwaffe erklärte in der Nacht zum Freitag, sie habe einen Hubschrauber von einem Stützpunkt im Süden des Landes zu dem Frachter mit dem Namen Ezadeen geschickt. Sechs Einsatzkräfte seilten sich Medienberichten zufolge auf das Schiff ab.

Ein Flüchtling auf der Ezadeen hatte zuvor um Hilfe gerufen, wie der Küstenwachen-Sprecher Filippo Marini am frühen Freitagmorgen berichtete. "Wir sind ohne Besatzung, wir steuern auf die italienische Küste zu und wir haben niemanden, der steuern kann", zitierte Marini den Hilferuf.

Zweiter Zwischenfall in dieser Woche

Wie viele Menschen genau an Bord sind, ist bislang unklar. Die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete jedoch, dass etwa 450 Menschen auf dem Frachter sein könnten. Demnach befand sich die Ezadeen rund 64 Kilometer vor der südöstlichen Spitze des italienischen Festlandes.

Erst am Dienstag waren rund 970 Flüchtlinge an Bord des in der Adria in Not geratenen Frachters Blue Sky M kurz vor einer Havarie von der Küstenwache gerettet worden. Schmuggler hatten offenbar den Motor auf Autopilot gestellt, wodurch das Schiff auf die Küste zugetrieben war, wie Marini am Mittwoch mitgeteilt hatte.