Vier Monate nach der Entführung Dutzender Studenten in Mexiko haben die Behörden die jungen Leute für tot erklärt. "Die Beweise erlauben uns festzustellen, dass die Studenten entführt, getötet und verbrannt wurden", sagte Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam. Es gebe keinerlei Zweifel. Man habe fast hundert Menschen verhört und die Aussagen stimmten diesbezüglich überein. Die Morde soll der Bürgermeister der Stadt Iguala, José Luis Abarca, in Auftrag gegeben haben. Ausgeführt worden sein sollen sie von Felipe Rodríguez alias El Terco oder El Cepillo und weiteren Bandenmitgliedern der Guerreros Unidos.

Offenbar wollte der Bürgermeister von Iguala verhindern, dass die Studenten eine Rede seiner Frau stören. Das Bürgermeisterpaar Abarca soll enge Verbindungen zur Drogenmafia haben und wurde bereits im November vergangenen Jahres verhaftet. Die verhörten Mitglieder der Guerreros Unidos gaben in Zeugenaussagen an, die Studenten mit Anhängern der verfeindeten Bande Los Rojos verwechselt zu haben.

Am 26. September hatten Polizisten in der Stadt Iguala im Bundesstaat Guerrero 43 Studenten des linken Lehrerseminars Ayotzinapa entführt und sie der kriminellen Organisation Guerreros Unidos übergeben. Die Studentengruppe hatte sich gegen das organisierte Verbrechen in der Region engagiert. Bandenmitglieder gestanden, die jungen Leute getötet und ihre Leichen verbrannt zu haben. Dabei widersprachen sie sich jedoch häufig in ihren Zeugenaussagen.

Die Familien der Opfer zweifeln an den Ermittlungsergebnissen und werfen Polizei und Militär vor, in die Ermordungen verwickelt zu sein. Bislang wurde erst ein Opfer zweifelsfrei identifiziert. Im Gerichtsmedizinischen Institut in Innsbruck versuchen Wissenschaftler derzeit, die Identität der weiteren Toten zu ermitteln.