Hitze und kleine Feuer hinderten die Ermittler immer noch daran, ins Autodeck der vor fast einer Woche verunglückten Adriafähre Norman Atlantic vorzudringen. Schlepper brachten das Wrack in die italienische Hafenstadt Brindisi, um Experten nähere Untersuchungen zu ermöglichen. "In der Garage des Schiffs ist die Temperatur noch immer sehr hoch", sagte Kommandant Mario Valente von der Hafenkapitanerie Brindisi laut der Nachrichtenagentur Ansa. Die Suche nach möglichen Vermissten im Innern des Schiffs blieb erneut ergebnislos.

Einsatzkräfte der Feuerwehr betraten das ausgebrannte Schiff, um die Sicherheitsbedingungen für weitere Untersuchungen und Sucheinsätze nach Vermissten zu beurteilen. Die Ermittler fürchten, im Inneren des Schiffs weitere Leichen zu finden. Auch der Frachtraum blieb vorerst für die Ermittler unzugänglich. "Im Inneren des Schiffs gibt es Räume, die durch die Flammen komplett zerstört wurden", erklärte Valente.

In der vergangenen Nacht wurden neue Brandherde auf der Norman Atlantic gemeldet, aus dem Schiff drang Rauch. Neben der Suche nach Vermissten hat die Ermittlung der Unglücksursache für die Experten oberste Priorität. Antworten erhoffen sie sich auch vom Fahrtenschreiber der Fähre, der bereits am Freitag geborgen wurde.

Auf der Adriafähre war am vergangenen Sonntag auf der Reise von Patras in Griechenland nach Ancona in Italien ein Feuer ausgebrochen. Mindestens 13 Menschen kamen dabei ums Leben. Auch eine Frau aus Deutschland ist unter den Opfern. Insgesamt 17 Deutsche wurden nach Angaben des Auswärtigen Amtes gerettet.

Über die genaue Zahl der Vermissten nach dem Unglück herrscht weiter Unklarheit. Mögliche blinde Passagiere und unstimmige Passagierlisten der griechischen und italienischen Behörden erschweren eine genaue Angabe derer, die noch vermisst werden. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass nach dem Feuer noch maximal 10 bis 15 Menschen vermisst werden. Gerettet wurden nach italienischen Angaben 477 Menschen.