Ist das ein schönes Bild! Hunderte stehen abends in der Dresdener Altstadt und wollen keine Flüchtlinge abschieben. Nein, sie stehen seit einer halben Stunde im Nieselregen, um eine Podiumsdiskussion zu verfolgen.

Natürlich ist Pegida das Thema. Die Frauenkirche – und der Deutschlandfunk – haben geladen, um über das zu sprechen, was hier in den vergangenen Monaten schief gegangen ist. Wobei es um Dresden geht, aber auch um mehr. Es sind deutsche Zustände, die hier besprochen werden. Der nicht bis ganz zum Ende durchdachte Titel der Veranstaltung lautet: Was will das Volk?

Als die Türen der Frauenkirche endlich geöffnet werden, drängen Alte und Junge herein, Männer und Frauen. Niemand schubst, niemand schreit Parolen. Wer aber von ihnen bei Pegida mitlief und wer dagegen demonstrierte? Es ist unmöglich, das einzuschätzen. Noch.

Dresdener Zustände

Dann erscheinen die Diskutanten: Innenminister Thomas de Mazière (CDU), FR-Chefredakteurin Bascha Mika, der Landesbischof Jochen Bohl und Politikwissenschaftler Hans Vorländer. Die Diskussion hat Zug und ist dennoch erfreulich nachdenklich. Es dauert nicht lange, bis geklärt ist, dass es den meisten der Pegida-Demonstranten nicht nur um den Islam geht, sondern dass der Hass auch die trifft, die dort oben auf der Bühne sitzen: das Establishment. Politik und Presse vor allem, aber auch Kirchen und Wissenschaft. Eine Vertrauenskrise.

Natürlich kommt bald die Frage auf, die in den vergangenen Tagen alle bewegte: Soll man mit Pegida reden? Was in Deutschland kontrovers diskutiert wurde, ist hier in Dresden keine große Debatte: Ja, was sonst?

Es gibt so etwas wie Dresdener Zustände. Viele hier kennen Menschen, die kurz davor sind, sich vom Gemeinwesen zu verabschieden. Wenn sie nicht selbst welche sind.

Bischof Bohl merkt an: Der offene Streit darüber führt zu Rissen durch Familien, Kirchengemeinden, Arbeitsstellen. Hinzu kommt die Sorge mancher, die man leichter nachvollziehen kann, wenn man vor Augen hat, dass die Demokratie noch nicht sehr lange hier ist: Man fühlt, dass sie auch wieder verschwinden kann.