Ich habe einen Freund, Mustafa heißt er. Mustafa ist vor vier Jahren von Afghanistan nach Deutschland geflohen. Nach nur anderthalb Jahren hat er hier seinen Hauptschulabschluss mit einem Schnitt von 1,8 gemacht. Mustafa würde gerne Arzt werden. Aber weil er permanent von der Abschiebung bedroht ist, macht er lieber eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Während der Ausbildungszeit wird man nämlich für gewöhnlich nicht abgeschoben – während der Schulzeit schon.

Mustafa ist so alt wie ich. Er könnte eines Tages das Altersheim für einen der kinderlosen deutschen Rassisten finanzieren – aber die demonstrieren lieber dafür, ihn vorher aus dem Land zu schmeißen.

Und ich sage bewusst "die". Nicht "wir". Denn es ist nicht meine Generation, die allmontäglich gegen eine "Islamisierung" aufmarschiert und sich in Talkshows und Zeitungen über "Integrationsprobleme" und die "Asylschwemme" auslässt. Persönlich kenne ich niemanden in meinem Alter, der Probleme mit Muslimen hat. Der Grund dafür ist: Wir wissen, wovon wir reden.

Keinen Kontakt zu Zuwanderern

Natürlich, auch in früheren Generationen gab es Zuwanderung. Aber diese Zuwanderer sind als Erwachsene nach Deutschland gekommen. Leute wie mein Onkel, so stelle ich mir das vor, haben in den 1990ern hin und wieder einen muslimischen Gastarbeiter in der Autowerkstatt getroffen und ihn misstrauisch beäugt. Und seither erzählen sie sich gegenseitig, dass die alle kriminell seien. Und beschließen, sie besser nicht in ihrem Betrieb einzustellen. Nach einer Unternehmensbefragung bilden nur 15 Prozent aller Betriebe Jugendliche mit Migrationshintergrund aus.

Das ist bei uns anders: Wir wachsen gemeinsam auf. In jeder Schulklasse finden sich heute ein paar Muslime, in jedem Freundeskreis, in jedem Fußballverein. Wir wissen: Wenn ich einen gläubigen Muslim treffe, ist die größte Gefahr, dass der keine Schweinehaxe mitessen will. Ein Problem, dessen Dramatik sich in überschaubaren Grenzen hält – nicht zuletzt angesichts der hohen Vegetarierzahl in meinem Freundeskreis. Kein Wunder, dass nach dem "Religionsmonitor" der Stiftung Bertelsmann von den 16 bis 24-Jährigen knapp 30 Prozent den Islam bedrohlich finden, von den 40 bis 54-Jährigen aber mehr als 60 Prozent.

Liebe Generationen über mir, ihr habt Angst um unsere Sozialsysteme? Ich auch. Ihr wollt eine Zukunft für die deutsche Jugend? Ich auch. Also: Schließen wir uns doch zusammen. Verhindern wir, dass ihr arbeiten müsst, bis ihr 90 seid, verhindern wir, dass mich eure Rente arm macht. Gehen wir gemeinsam auf die Straße: Fordern wir Ausbildungsplätze für Wirtschaftsflüchtlinge.