Ensaf Haidar, die Ehefrau des inhaftierten Bloggers Raif Badawi bittet die Bundesregierung im Interview mit der ZEIT um Unterstützung. Sie fordert die sofortige Freilassung ihres Mannes. Zwar könnten nur der neue saudische König Salman oder der Innenminister Mohammed bin Naif die Tortur ihres Mannes beenden, sagte Haidar. Deutschland könnte seinen Einfluss aber weiter geltend machen und "seine Stärke für meinen Mann und die Menschenrechte einsetzen", sagte Haidar.

Badawi sitzt seit Juni 2012 in Haft, weil er in seinem Blog den Islam beleidigt haben soll. Dafür wurde er bereits einmal öffentlich gefoltert: 50 Schläge von insgesamt 1.000 hat er nach dem Freitagsgebet in Dschidda bekommen. Jede Woche sollen 50 Peitschenhiebe folgen. Berichterstatter sprachen von einer Todesstrafe auf Raten. Weil es dem 31-Jährigen gesundheitlich schlecht geht, wurde die Strafe zwischenzeitlich zweimal ausgesetzt.

Badawis Ehefrau ist mit ihren Kindern nach Kanada geflohen. Von dort hat sie mit ihrem Mann nur spärlichen Kontakt: "Er hat keine Telefonnummer, ich kann ihn nicht anrufen." Manchmal könnten sie drei oder vier Minuten reden, wenn er telefonieren darf. Seine Schwester habe vergeblich versucht, ihn im Gefängnis zu besuchen.

Die Fatwa gegen ihren Mann, die ihm vorwirft, den Islam beleidigt zu haben, hält Haidar für eine "Hassschrift". "Es sind Terroristen, die auf der Straße ihr Unwesen treiben und die solche Rechtsgutachten herausgeben. Nun wollen einige von ihnen Raid sogar töten", sagte Haidar. Ihr Mann habe niemals etwas gegen den Islam oder irgendeine andere Religion gesagt oder geschrieben.

Das vollständige Interview lesen Sie in der neuen Ausgabe der ZEIT, die ab Donnerstag am Kiosk erhältlich ist.

Dankbar für weltweite Unterstützung

Die Situation der Familie ist verzweifelt: "Raif findet keinen Anwalt, weil keiner den Fall übernehmen will", sagte Haidar. Auch weiß sie nicht, wie sie die Geldstrafe von umgerechnet 195.000 Euro zahlen soll. "Daran habe ich noch habe ich noch gar nicht ausführlich denken können. Auf der Flucht in den Libanon und dann nach Kanada haben mir und meinen Kindern zunächst Freunde über die Runden geholfen, und jetzt lebe ich von der Hilfe der kanadischen Regierung", sagte Haidar.

Für die weltweite Unterstützung ihres Mannes ist Haidar dankbar. "Ich habe es ihm neulich am Telefon erzählt. Dass sein Gesicht auf so vielen Titelbildern zu sehen ist, dass Zeitungen weltweit gegen die Ungerechtigkeit, die uns angetan wird, anschreiben, bis er frei kommt." Viele Saudis wüssten nun, wer Badawi ist, sagte Haidar. "Er hat am Telefon geweint."