Der US-Bundesstaat Ohio hat alle für 2015 geplanten Hinrichtungen ausgesetzt. Die zuständige Gefängnisbehörde begründete den Schritt mit Vorbereitungen für die Umsetzung neuer Richtlinien bei der Vollstreckung der Todesstrafe. Zudem solle die Beschaffung neuer Substanzen sichergestellt werden, die zu Tötungen eingesetzt werden. Sechs Menschen sollten 2015 in dem Bundesstaat hingerichtet werden, einer Anfang 2016. Die Exekutionen seien aufgeschoben, bis es geeignete tödliche Mittel gebe, teilte Ohios Strafvollzugsbehörde mit.

In dem Bundesstaat hatte vor einem Jahr der 53-jährige Dennis McGuire nach der Injektion einer bis dahin unerprobten Giftmischung rund 15 Minuten lang mit dem Tod gerungen. Es war eine der längsten Hinrichtungen, seit der US-Staat die Todesstrafe 1999 wieder einführte. Laut CNN enthielt die Giftmischung das Beruhigungsmittel Midazolam und den Schmerzwirkstoff Hydromorphon.

Gut zwei Monate später war in Oklahoma die Hinrichtung eines Mannes nach wenigen Minuten wegen Problemen bei der Injektion abgebrochen worden. Der Mann starb 43 Minuten später qualvoll an einem Herzinfarkt. Zuvor habe er sich bei Bewusstsein minutenlang auf der Bahre gewälzt und um Luft gerungen, berichteten Augenzeugen. Auch in diesem Fall hatten die Behörden eine nicht erprobte Giftmischung eingesetzt. Die gescheiterten Hinrichtungen hatten in den USA zu einer erneuten Debatte um die Todesstrafe geführt.

Die US-Strafvollzugsbehörden haben bei den Mitteln für die tödlichen Giftspritzen seit Längerem Nachschubprobleme. Weil die Europäische Union bereits 2009 die Ausfuhr des Betäubungsmittels Thiopental in die USA verbot, ging den dortigen Behörden das erste von drei Präparaten des Giftcocktails aus. In Europa kommt dieses Mittel als gewöhnliches Narkotikum zum Einsatz.

Als Ersatz bezogen die Amerikaner bis Herbst 2013 das Narkosemittel Pentobarbital von der dänischen Firma Lundbeck, mit dem mitunter Tiere eingeschläfert werden. Seitdem auch diese Firma nicht mehr liefert, experimentieren die Amerikaner mit anderen Giftmischungen. Weil insgesamt nur geringe Mengen benötigt werden, rentiert es sich für keinen US-Hersteller, diese Betäubungsmittel selbst herzustellen.