In Bangladesch haben mutmaßlich religiöse Fanatiker einen US-Blogger getötet, der sich kritisch über religiösen Fanatismus geäußert hatte. Nach Polizeiangaben haben Unbekannte Avijit Roy und seine Frau in der Hauptstadt Dhaka aus einer Rikscha gezogen und mit Messern und Hackbeilen attackiert. Roy starb auf dem Weg ins Krankenhaus, seine Frau wurde schwer verletzt. Der in den USA lebende Blogger wollte in der Universität von Dhaka sein neues Buch vorstellen. Er war mehrfach von Islamisten bedroht worden.

Die Tat löste bei der Bundesregierung Betroffenheit aus. Die Tat sei ein "Angriff auf die Presse- und Meinungsfreiheit in Bangladesch", sagte der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer. Die Regierung von Bangladesch müsse alles tun, um die Täter zu fassen und die Menschen zu schützen, die "von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machen".

Der Blogger, der als Software-Programmierer und Buchautor in den USA tätig war, sei in der Vergangenheit wiederholt von islamischen Fundamentalisten bedroht worden, zitierte die bengalische Zeitung Daily Star Familienmitglieder und Freunde des Getöteten. Er war Gründer und einer der Betreiber des religionskritischen Blogs Mukto Mona. Zu den bekanntesten Büchern Roys gehören Die Philosophie des Unglaubens und Das Glaubensvirus. Roy hatte sich in seinem Blog auch für die Rechte von Homosexuellen stark gemacht. 

Studenten protestieren in Dhaka für Gerechtigkeit

Der Vater des Opfers erstattete nach Angaben der Zeitung Anzeige gegen die unbekannten Täter. Die Polizei ermittele; bislang sei jedoch niemand festgenommen worden. In Dhaka gingen Studenten und Menschenrechtsaktivisten gegen den brutalen Mord auf die Straße und forderten Aufklärung. Sie riefen: "Wir wollen Gerechtigkeit" und "Erhebt eure Stimme gegen militante Kämpfer".

Imran Sarker, Chef der Bloggervereinigung in Bangladesch, sagte, er fürchte um die Sicherheit von Schriftstellern in seinem Land. "Avijits Ermordung beweist ein weiteres Mal, dass es in diesem Land eine Kultur der Straflosigkeit gibt", sagte Sarker. Er kündigte Massenproteste an, sollten die Mörder Avijits nicht in den kommenden 24 Stunden gefasst werden.

Atheisten im Visier von Fundamentalisten

Pinaki Bhattacharya, ebenfalls Blogger und ein Freund von Roy, schrieb auf seiner Facebookseite: "In Bangladesch sind Atheisten die einfachsten Ziele. Ein Atheist kann attackiert und ermordet werden." Weiter sagte Bhattacharya, einer der größten Online-Buchhändler des Landes sei ebenfalls bedroht worden, weil er Roys Bücher vertrieben habe.

In der Vergangenheit waren islamkritische Autoren in Bangladesch wiederholt Ziel gewaltsamer Angriffe. Im April 2013 demonstrierten rund 100.000 Anhänger fundamentalistischer islamischer Organisationen in Dhaka für die Todesstrafe für Atheisten. Etwa 90 Prozent der 158 Millionen Einwohner von Bangladesch sind Muslime. Der Islam ist Staatsreligion.