Zwischen Libyen und der italienischen Mittelmeerinsel sind nach Angaben der UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR wahrscheinlich mehr als 300 Menschen ums Leben gekommen. Vier Flüchtlingsboote werden vermisst, sagte die UNHCR-Sprecherin Carlotta Sami. Sie berief sich auf Überlebende des Unglücks.

Die italienische Küstenwache hatte am Sonntag 110 Menschen aus einem Schlauchboot gerettet. Auf der Überfahrt seien 29 Menschen gestorben, teilte die Küstenwache mit. Die Flüchtlinge, die die Überfahrt überlebten berichteten von drei weiteren Booten, die am Samstag in Libyen aufgebrochen seien.

Auf zwei der Boote seien mehr als 210 Menschen unterwegs gewesen, von denen nur neun überlebt hätten, sagte Sami. "Es sind neun und sie wurden nach vier Tagen auf dem Meer gerettet. Die anderen 203 hat das Meer verschluckt", twitterte sie. Es sei eine "schreckliche und enorme Tragödie". Ein viertes Boot, von dem die Überlebenden berichtet hatten, werde noch vermisst.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) teilte mit, dass sie Informationen über weitere Boot erhalten habe, die gekentert seien. "Insgesamt könnte sich die Opferzahl bis zum Ende des Tages verdreifachen", sagte IOM-Sprecher Joel Millmann.

Papst Franziskus forderte während der Generalaudienz auf dem Petersplatz, solidarisch mit den Flüchtlingen zu sein. Es dürfe nicht an notwendiger Hilfe fehlen. "Ich verfolge die Nachrichten aus Lampedusa mit Sorge", sagte der Papst.

Im Oktober 2013 waren vor Lampedusa zwei Flüchtlingsschiffe verunglückt. Mehr als 350 Menschen starben. Italien gründete darauf hin die Rettungsmission Mare Nostrum. Sie wurde in diesem Jahr von der EU-Grenzschutzmission Triton abgelöst. Die UNHCR kritisierte, das Programm reiche nicht aus, um den Flüchtlingen zu helfen.

Nach Angaben des italienischen Innenministeriums kamen allein im Januar 3.500 Flüchtlinge nach Italien. Sie überfahren das Mittelmeer meist von Libyen aus.