Die ungeschüttelte Hand ist die verschmähte Geliebte der Diplomatie: Hilflos, nackt und bittend ausgestreckt erkaltet sie an der Luft, bis ihr Besitzer den peinlichen Moment beendet, in dem er sie sinken lässt, mit den Fingern durch die Haare fährt, oder sie bedröppelt in die Hosentasche steckt.

Eine angebotene Hand zu übergehen ist ein rücksichtsloser Affront, vor dem niemand gefeit ist. Weder der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika noch die Herzogin von Cambridge. Nicht einmal der kulleräugige Fußballjunge, der Zentimeter vor seinem Idol stehend so klein ist, dass sogar Messi ihn übersieht: Das Video dieses ungeschüttelten Händchens brachte Millionen WM-Zuschauer zum Weinen – und rührte manch altes Trauma auf.

Unter den Retraumatisierten dürften auffallend viele NPD-Mitglieder sein. Heute mussten sie in Gera ein weiteres Mal einstecken: Sie haben keinen Rechtsanspruch auf den Handschlag eines Bürgermeisters, selbst wenn sie als Stadträte vereidigt werden, sprach das Verwaltungsgericht. Geklagt hatte ein NPD-Mann aus Greiz, dessen Hand der SPD-Bürgermeister vergangenen Juni in der Luft hängen ließ. Ähnlich erging es den NPD-Stadträten in Weimar und Eisenach.

Übrigens ist der Nicht-Händedruck längst gängige Kulturtechnik. Noch nie vom Schüttelverbot oder der Kampagne "Höflich ohne Hände" gehört?   

Selbst im Tatort wird nicht mehr jede beliebige Hand ergriffen. Der Münchner Kommissar Leitmayr verpasste einem Diplomaten allerdings statt eines Handshakes gleich eine Watschn. So gesehen klagen die NPD-Stadträte auf hohem Niveau.

Mit dem Geraer Urteil dürften sich ähnlich schwerwiegende Beschwerden von Besitzern verschmähter Hände nun erledigt haben:


  • Der Aufruf des Dachverbands der chinesischen Winkekatzen e.V., sie respektvoll zurückzugrüßen.


  • Die Unterschriftensammlung der Initiative für mehr Kreativität in der Bürobegrüßung.
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