Der wegen sexueller Belästigung angezeigte Chef des Weltklimarats IPCC, Rajendra Pachauri, ist von seinem Amt zurückgetreten. Eine Forscherin von Pachauris Institut Teri wirft dem 74-jährigen Inder vor, sich wiederholt unangemessen verhalten zu haben – unter anderem mit anzüglichen E-Mails, Anrufen und Kurznachrichten. Pachauri weist die Vorwürfe zurück; dennoch hat er UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sein Rücktrittsschreiben übersendet.

In Pachauris Schreiben heißt es: "Der IPPC benötigt in unmittelbarer Zukunft eine starke Führung sowie zeitliches Engagement und vollständige Aufmerksamkeit, was ich unter den derzeitigen Umständen nicht leisten kann." Er werde dem Klimarat aber weiter mit Rat und Tat zur Seite stehen, heißt es weiter. Nach Angaben des IPCC soll der derzeitige Vizechef Ismail El Gizouli den Posten vorläufig übernehmen, bis im Oktober auf einer Konferenz die endgültige Nachfolge geregelt wird.

Pachauri dementiert die Vorwürfe der 29-jährigen Forscherin. Er gibt an, sein Handy und sein E-Mail-Konto seien gehackt worden. Den Ermittlern versprach er seine Unterstützung und volle Zusammenarbeit bei der Aufklärung.  

Pachauri muss nicht in Untersuchungshaft

Am Wochenende hatte er sich von Vorbereitungen für eine internationale Klimakonferenz in Nairobi zurückgezogen und reiste nach Neu-Delhi. Vorerst wird Pachauri nicht in Untersuchungshaft genommen. Nach Angaben eines Anwalts gewährte ein Gericht in Neu-Delhi ihm zunächst bis zum Donnerstag Schutz vor einer Festnahme.

In Nairobi startet am heutigen Dienstag ein Treffen, das den Weg zu einem neuen globalen Klimaabkommen ebnen soll. Dieses soll im Dezember in Paris verabschiedet werden. Beim Weltklimagipfel in der französischen Hauptstadt hätte Pachauri keine führende Rolle gespielt – unabhängig davon, wie das Verfahren gegen ihn ausgeht. Seine Amtszeit als IPCC-Präsident wäre regulär im Oktober zu Ende gegangen.

Pachauri stand seit 2002 an der Spitze des Weltklimarats und hatte 2007 den Friedensnobelpreis für seine Organisation entgegengenommen. Vor fünf Jahren stand er massiv in der Kritik, weil der IPCC unter seiner Führung einen fehlerhaften Klimabericht veröffentlicht hatte. Augenfälligster Fehler im vierten Weltklimabericht war die Prognose, dass die Himalaja-Gletscher bis 2035 verschwunden sein könnten. Einer der Vorwürfe lautete damals, Pachauri soll frühzeitig von dem Fehler gewusst, aber keine Korrektur angestrengt haben – möglicherweise, um mehr Forschungsgeld zu erhalten.