Bei den Untersuchungen zum Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen schließen die Ermittler die Möglichkeit eines technischen Defekts nicht aus. Das sagte der Chef der in Düsseldorf eingesetzten französischen Ermittler, Jean-Pierre Michel, dem französischen Sender BFMTV.

Noch fehlten den Behörden einige "technische Details". Zusammen mit den deutschen Kollegen sollen die jeweiligen Erkenntnisse vom Absturzort und dem Flugverlauf verglichen werden. Auch die "Persönlichkeit" des Copiloten Andreas Lubitz sei eine "ernsthafte Spur" in den Ermittlungen, sagte Michel. Sie sei aber nicht die einzige.

Derzeit kursieren vor allem Spekulationen über die genauen Umstände des Absturzes und ob er hätte verhindert werden können. Wenn es sich um eine Tat gehandelt hat, müsste man dafür das Motiv von Andreas Lubitz kennen.

In der Wohnung des Copiloten fanden Ermittler weder einen Abschiedsbrief noch sonstige Hinweise darauf, dass er geplant hatte, die Maschine vorsätzlich zum Absturz zu zwingen. Einzig entdeckten sie, dass der 27-Jährige am Tag des Unglücks krankgeschrieben war.

Der Umstand, dass zerrissene, aktuelle und auch den Tattag umfassende Krankschreibungen gefunden wurden, stütze nach vorläufiger Bewertung der Behörden die Annahme, dass Lubitz seine Erkrankung gegenüber dem Arbeitgeber und dem beruflichen Umfeld verheimlicht habe. Um welche Krankheit es sich handelte, blieb offen.

Der Copilot der Germanwings-Maschine hatte noch zwei Wochen vor dem Absturz die Universitätsklinik Düsseldorf aufgesucht, befand sich dort nach Angaben des Krankenhauses aber nicht in Behandlung. Er sei im Februar und zuletzt am 10. März als Patient vorstellig geworden, teilte die Klinik mit. Einzelheiten unterlägen jedoch der ärztlichen Schweigepflicht. Das Krankenhaus hat angekündigt, die Krankenakten des Copiloten der Staatsanwaltschaft Düsseldorf zu übergeben.

Die Ermittler wollen derzeit keine Stellung zu den kursierenden Spekulationen um den Copiloten von Flug 4U9525 nehmen. Frühestens am Montag wollen sie wieder vor die Presse treten.