Der Oberste Gerichtshof Afghanistans hat den Mörder der deutschen Fotojournalistin Anja Niedringhaus fast ein Jahr nach der Tat zu einer 20-jährigen Haftstrafe verurteilt. Damit reduzierte das Gericht die endgültige Strafe für den ehemaligen afghanischen Polizisten. Er war im Juli letzten Jahres von einem vorgeordneten Gericht zum Tode verurteilt worden und nutzte die Möglichkeit, bis vor den Obersten Gerichtshof des Landes zu ziehen.

Die preisgekrönte Fotojournalistin der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) hatte 2014 über die Wahlen in Afghanistan berichtet. Am 4. April wurde sie auf einem Polizeigelände in der Stadt Chost im Südwesten des Landes von einem ehemaligen Polizisten erschossen. Der Täter verletzte zudem die AP-Reporterin Kathy Gannon schwer.

Bis heute sind die Hintergründe der tödlichen Schüsse unklar. Zeugen und Ermittler gehen nicht davon aus, dass die Tat geplant war. Der Täter hatte mit einem Gewehr in das Auto der beiden Journalistinnen gefeuert und dabei "Allahu Akbar" ("Allah ist groß") gerufen. Bei einem ersten Verhör im vergangenen Jahr hatte der Täter gesagt, dass er die Ankunft der beiden Journalistinnen in dem abgeriegelten Gelände gesehen und spontan entschieden habe, zu schießen.

Fotografin Niedringhaus hat über zwei Jahrzehnte in Afghanistan, Pakistan, Nahost und Bosnien gearbeitet. Für ihre Irak-Reportagen gewann sie mit einem AP-Team 2005 den Pulitzer-Preis.