Am Ende war der Copilot alleine im Cockpit der Maschine, die über Frankreich abstürzte. Der Pilot war nach Erkenntnissen der französischen Ermittler auf die Toilette gegangen und kam hinterher nicht mehr durch die automatisch verriegelte Kabinentür. Der Copilot muss sie von innen blockiert haben.

Durfte der Pilot das Cockpit verlassen? Ja, er durfte. Eine normale Situation, sagte der Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Nachmittag auf einer Pressekonferenz. In seinem Unternehmen sei es den Piloten erlaubt, während des Fluges das Cockpit zu verlassen, etwa um auf die Toilette zu gehen. Ein Pilot im Cockpit sei ausreichend. Der Pilot von Flug 4U9525 sei aufgestanden, als das Flugzeug die Reisehöhe erreicht hatte – er habe sich vorbildlich verhalten, so Spohr. 

In anderen Ländern gelten schärfere Regeln. So etwa in den USA, wo eine Richtlinie festhält, dass sich immer mindestens zwei Crew-Mitglieder im Cockpit aufhalten müssen. 

Die sogenannte two-person rule besagt, dass ein Mitglied der Crew den Piloten im Cockpit vertreten muss, wenn dieser es verlässt. Nach Angaben der amerikanischen Gewerkschaft der Flugbegleiter AFA (Association of Flight Attendants) stehe das im Betriebshandbuch. Nur ein diensthabendes Crewmitglied darf demnach einen der Piloten im Cockpit ersetzen.

Fluggesellschaft Norwegian führt Zwei-Personen-Regel ein

Eine ähnliche Regel gibt es in Deutschland nicht, auch nicht bei der Lufthansa. Man habe auch nicht vor, daran etwas zu ändern, sagte Unternehmenschef Spohr. Erste Forderungen danach gibt es bereits, etwa vom Unionsfraktionsvize Arnold Vaatz, zuständig für Verkehr. Alle deutschen Airlines sollten freiwillig und unverzüglich eine Zwei-Personen-Regel in Cockpits umzusetzen, sagte er der Rheinischen Post.   

Die deutsche Pilotengewerkschaft Cockpit hält eine Debatte um neue Sicherheitsmaßnahmen "zum jetzigen Zeitpunkt" für verfrüht. Zuerst müsse man die Situation an Bord des Airbus kurz vor dem Absturz genau klären und sich fragen: "Welche Nachteile holt man sich mit einer Änderung ein?", so Cockpit-Präsident Ilja Schulz. Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es auch dann nicht, wenn immer zwei Piloten im Cockpit wären. 

Einige Fluglinien änderten ihre Sicherheitsvorschriften umgehend und führten die Zwei-Personen-Regel ein. Die britische Billigfluggesellschaft easyJet erklärte in London, dass die neuen Vorschriften "ab morgen" gelten würden. Auch die Fluggesellschaften Norwegian Air Shuttle und Icelandair reagierten. "Ab sofort müssen immer zwei Leute im Cockpit sein", sagte ein Sprecher der norwegischen Fluglinie. Nun müsse noch die norwegische Luftfahrtbehörde zustimmen. "Ich gehe davon aus, dass die neue Vorschrift ab morgen gilt", so der Sprecher.