Gegen den weißen Polizisten Darren Wilson, der im vergangenen August in Ferguson den unbewaffneten Schwarzen Michael Brown erschoss, wird endgültig kein Strafverfahren eingeleitet. Das US-Justizministerium begründete dies mit der mangelhaften Beweislage. Es gebe keine Gegendarstellung zu der von Darren Wilson, und dieser habe ausgesagt, sich massiv von Michael Brown bedroht gefühlt und erst dann zur Waffe gegriffen zu haben.

Wilson hatte ausgesagt, Brown habe ihm ins Gesicht geschlagen und in einem Handgemenge nach seiner Schusswaffe gegriffen. Er ist inzwischen aus dem Polizeidienst ausgeschieden.

Bundesermittlern zufolge gibt es auch keine Beweise dafür, dass der 18-jährige Brown die Hände erhoben gehalten hatte, als er tödlich getroffen wurde. Der Verzicht auf eine Anklage war erwartet worden, da bei bundesrechtlichen Ermittlungen in einem Grundrechtsfall sehr hohe rechtliche Standards gelten. Eine Anklagekammer des Staates Missouri hatte bereits von einer Anklage abgesehen.

Justiz kritisiert unverhältnismäßige Gewalt gegen Schwarze

In einem separaten Bericht erhob das Washingtoner Justizministerium aber schwere Vorwürfe gegen Polizei, Justizvollzugsbehörden und das städtische Gericht der Kleinstadt. Demnach haben städtische Beamte unverhältnismäßig schwere Gewalt gegen Schwarze angewendet und sie zu oft wegen Bagatelldelikten belangt. Der Bericht des Justizministeriums rügt rassistische Vorurteile von Polizei- und Justizbeamten und kritisiert ein System, das die Erzeugung von Einnahmen aus Geldstrafen über die öffentliche Sicherheit stellt.

Das Justizministerium hatte die Bürgerrechtsermittlung nach dem Tod Browns eingeleitet, der Unruhen und Demonstrationen in Ferguson und vielen anderen Städten der USA ausgelöst hatte. Der Bericht beruht auf Interviews mit führenden Polizeibeamten und Einwohnern Fergusons. Zudem wurden mehr als 35.000 Seiten Polizeiakten ausgewertet und Daten über Verkehrskontrollen, Durchsuchungen und Verhaftungen analysiert. Dabei wurde auch deutlich, dass sich die mehrheitlich afroamerikanische Bevölkerung von Ferguson von der überwiegend weißen Polizeitruppe systematisch diskriminiert fühlt.