Der Copilot der in Südfrankreich abgestürzten Germanwings-Maschine hat nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft in Marseille das Flugzeug bewusst abstürzen lassen. Das gab der zuständige Staatsanwalt Brice Robin auf der Pressekonferenz bekannt: "Es sieht so aus, als habe der Copilot das Flugzeug vorsätzlich zum Absturz gebracht und so zerstört."        

Zuvor habe der Kapitän die Pilotenkanzel verlassen, um auf die Toilette zu gehen, sagte Robin. Der Copilot, der 28-jährige Andreas Lubitz, hatte das Kommando über die Maschine. Als der Kapitän zurückkehrte, sei die Tür verschlossen gewesen und der Copilot habe nicht geöffnet. "Unsere wohl plausibelste Deutung geht dahin, dass der Copilot durch vorsätzliche Enthaltung verhindert hat, die Tür zu öffnen. Der Pilot konnte nicht mehr in die Pilotenkanzel kommen."

Zum weiteren Verlauf sagte Robin: "Der Copilot hat offenbar den Knopf gedrückt, mit dem das Flugzeug an Flughöhe verlor. Das ist kein kurzfristiger Sinkflug, das ist wie ein Landeanflug. Aber in der Nähe gibt es gar keinen Flughafen auf dem ein Airbus landen könnte", erklärten die Ermittler.

Auf Nachfrage von Journalisten wiederholte er: "Ich kann nur wiederholen, dass der Copilot den Sinkflug mit Vorsatz eingeleitet hat." Dieser Sinkflug dauerte acht Minuten, und auf Anfragen des Towers gab es keine Reaktionen: "In dieser Zeit hat der Copilot kein Wort gesprochen", sagte der Staatsanwalt. Es seien nur Atemgeräusche zu hören gewesen, wie die Auswertung des Stimmrekorders ergab. Die zweite Blackbox sei noch nicht gefunden worden.

Warum der Copilot das Flugzeug abstürzen ließ, ist noch unklar. Robin sagte lediglich: "Nichts erlaubt es zu sagen, dass es sich um einen Terroranschlag handelt."

Laut Staatsanwaltschaft bemerkten die Insassen der Germanwings-Maschine den bevorstehenden Absturz erst im allerletzten Moment: "Die Angehörigen sind über alle Erkenntnisse informiert worden."

Lufthansa spricht von tragischem Einzelfall

Wenige Stunden nach der Staatsanwaltschaft in Marseille gaben auch Lufthansa-Vorstand Carsten Spohr und der Geschäftsführer von Germanwings, Thomas Winkelmann eine Pressekonferenz. Beide äußerten sich schockiert über die "sehr tragische Wendung". Man müsse zur Kenntnis nehmen, dass das Flugzeug vermutlich willentlich zum Absturz gebracht wurde. 

"Nicht in unseren schlimmsten Alpträumen hatten wir uns das vorstellen können", sagte Spohr.  Die Lufthansa wähle ihr Personal sehr sorgfältig aus. "Das ist Teil unserer DNA."

Spohr machte auch Angaben zu dem 28-jährigen Copiloten: "Er war 100 Prozent flugtauglich. Ohne jede Auffälligkeit." Es habe in der Ausbildung eine längere Unterbrechung gegeben. Zu den Gründen dürfe er aber keine Auskunft geben.

Weiter sagte der Lufthansa-Chef: "Wir haben volles Vertrauen in unsere Piloten. Sie sind und bleiben die besten der Welt." Für ihn sei das, was hier passiert ist, ein ganz tragischer Einzelfall.

Egal wie hoch das Thema Sicherheit hänge – und die Lufthansa habe wirklich hohe Standards – könne man solche Einzelereignisse nicht ausschließen. "Es galt immer die Regel, Safety ist Nummer Eins, und dass das gerade uns passiert, tut uns sehr, sehr leid." 

Einmal im Jahr gebe es Untersuchungen, aber keine expliziten psychologischen Tests. Zur Auswahl der Piloten gehöre ein psychologischer Teil. Spohr kündigte an, dass die Lufthansa über mögliche Verbesserungen in der Ausbildung nachdenken werde. Das Unglück könne jedoch nicht sein Vertrauen in seine Piloten erschüttern und auch in das Auswahlverfahren.

Zu Fragen nach einem möglichen Terroranschlag sagte Spohr: "Ich kann mich nur dem Bundesinnenminister anschließen, es gibt keinerlei Anzeichen, ...auch der Nachrichtendienste und von uns, dem Arbeitgeber des jungen Mannes, dafür." Weiter sagte Spohr: "Wenn ein Mensch 149 Menschen mit in den Tod nimmt, ist das ein anderes Wort als Selbstmord"

Bei dem Absturz in den französischen Alpen waren am Dienstag alle 150 Menschen an Bord getötet worden. Der Airbus A320 der Lufthansa-Tochter war auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf.