Das feministische Magazin Emma hat den Absturz der Germanwings-Maschine 4U9525 zum Anlass genommen, eine Frauenquote im Cockpit zu fordern. Die These der Autorin lautet: "Amoktrips sind Männersache". Das sorgt für Empörung in den sozialen Netzwerken.

Die Lufthansa habe 94 Prozent männliche Piloten, schreibt die Autorin, die feministische Sprachwissenschaftlerin Luise F. Pusch. Die Suizidrate sei bei Männern aber viermal so hoch wie bei Frauen. "Die Lufthansa könnte also das Risiko, dass ihre Piloten das Flugzeug zu Suizid und vielfachem Mord missbrauchen, mit jeder Frau, die sie zur Pilotin ausbilden, ganz erheblich reduzieren." Amokläufe seien "Verbrechen, die nahezu ausschließlich von Männern begangen werden".

Zudem kritisiert Luise Pusch den "blinden Fleck" in der Berichterstattung über das Unglück. Dort seien die "14 getöteten Mädchen und zwei Jungen" schlicht als "16 Schüler" bezeichnet worden und die beiden getöteten Lehrerinnen als "Lehrer".

Die Emma übernahm den redaktionell als "Kommentar" bezeichneten Text mit Genehmigung der Autorin aus dem Blog Laut und Luise. Dort findet sich unter dem Artikel der Hinweis auf "mehr Glossen von Luise F. Pusch". Die renommierte Linguistin nutzte bisher für ihre Gesellschaftskritik des Öfteren Glossen und ist für ihre Zuspitzungen bekannt.

In den sozialen Netzwerken rief der Beitrag Empörung hervor. Auf der Facebook-Seite von Emma gab es entrüstete Kommentare darüber, aus einer Katastrophe Kapital zu schlagen. Eine langjährige Abonnentin kritisiert, "eine pauschale Abwertung von Männern hat nichts mit dem Einsatz für gleiche Rechte aller Menschen zu tun".

Auch auf Twitter war vom "Gipfel der Geschmacklosigkeit" die Rede. "Wie ekelhaft", twitterte ein Nutzer. "Feminismus-Kampagne auf dem Rücken der Opfer". Ein Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, Robert Roßmann, fragt: "Instrumentalisiert die Emma hier wirklich Tote für die Quote?!? Verrückt." Auch in den Kommentaren zum Blog äußerten Leser, es sei moralisch verwerflich, "einen Amoklauf zu instrumentalisieren für die eigenen Interessen".

Luise Pusch verteidigt sich auf Twitter: "Während der Shitstorm gegen mich tobt, melden viele LeserInnen, dass sie die Frauenquote fürs Cockpit gut finden." Sie verweist auch auf einen Artikel in der Schweiz am Sonntag, in dem es ebenfalls heiße, Pilotinnen könnten mehr Sicherheit bringen.

In dem Text wird Gabriela Stoppe zitiert, Psychiaterin und Vizepräsidentin von Ipsilon, dem Dachverband für Suizidprävention in der Schweiz. "Es wäre nicht nur wegen der Durchmischung sinnvoll, mehr Frauen für den Transport von Menschen zu engagieren, sondern vor allem wegen der Sicherheit", sagt Stoppe in dem Bericht. Frauen hätten eine deutlich tiefere Suizidrate. "Es war nur eine Frage der Zeit, dass auch in Europa ein Pilot mit dem Flugzeug einen Suizid begeht", so die Psychiaterin.

Es liegt also nahe, dass Luise Pusch ihre Forderung nach einer Frauenquote im Cockpit – und auch die Begründung – ernst gemeint hat. Verbände wie der Österreichische Frauenring bedauern den Shitstorm. Sie rufen zu einer Diskussion des Vorschlags auf.