Die katholische Saint Mary's Cathedral in San Francisco ist wegen ihres Umgangs mit Obdachlosen in die Kritik geraten. Der lokale Sender KCBS hatte berichtet, dass die Kirche Wassersprenkler installiert hat, um Obdachlose aus ihren Alkoven außen am Gebäude zu vertreiben. Aus knapp 10 Metern (30 Fuß) Höhe werde alle 30 bis 60 Minuten für 75 Sekunden Wasser in die Nischen gespritzt, so der Bericht. Gewarnt werde vor dem plötzlichen Wasserfall nicht.

Die Saint Mary's Cathedral ist Sitz des Erzbischofes von San Francisco. Die Kirche reagierte umgehend auf den Bericht des Senders, entschuldigte sich und versprach den Abbau der Wassersprenkler. Ein Sprecher nannte es ein "Missverständnis" und "wenig durchdacht". Die Systeme seien seit zwei Jahren installiert und sollten Obdachlose davon abhalten, in Nischen mit Türzugängen zu schlafen, nicht völlig vertreiben. "Es war nie die Absicht der Kirche, Obdachlose mit Wasser zu übergießen, um sie vom Schlafen in den Nischen abzuhalten", sagte Sprecher Larry Kamer.

Medienberichten zufolge ist die Installation solcher Wasseranlagen als Abwehr von Obdachlosen vor Geschäftsgebäuden in größeren Städten wie San Francisco durchaus üblich. Dass eine Kirche sie allerdings benutzt, die sich der Hilfe für Schwache verschrieben hat, stieß auf Unverständnis. "Ich war schockiert, weil es unmenschlich ist, Menschen so zu behandeln", sagte ein Nachbar KCBS.

Die Kirche wies als Reaktion auch auf ihre Unterstützung für Obdachlose hin, wie etwa mit Schlafplätzen, Suppenküchen und Kleidung. Die Erzdiözese sei einer der größten Unterstützer für Obdachlosenhilfe in San Francisco, hieß es in einer Erklärung (PDF-Dokument).

Einige Obdachlose hatten sich an die widrigen Umstände bereits angepasst: Sie kamen mit wasserdichter Kleidung oder spannten einen Regenschirm auf, um in den Alkoven halbwegs trocken schlafen zu können.