Im Heil- und Kurort Bad Buchau ist die Welt noch sehr idyllisch: Die örtliche Klinik, die Therme und der Federsee sind die Markenzeichen des 4.000-Einwohner-Städtchens zwischen Ulm und Ravensburg. Erholung und Ruhe, das verspricht ein Urlauberprospekt.

Seit mehr als einem halben Jahr leben in der schwäbischen Kleinstadt auch 46 Flüchtlinge, Menschen aus Afghanistan, den Balkanstaaten und Syrien. Der zuständige Landkreis Biberach hatte nach einem Wohnraum für die wachsende Zahl der Asylbewerber gesucht und unweit des zentralen Marktplatzes ein Wohnhaus angemietet. 

Am vergangenen Osterwochenende hat der Brand in einer geplanten Asylbewerberunterkunft im ostdeutschen Tröglitz die Republik aufgeschreckt. Seitdem wird diskutiert: Ist Tröglitz ein ostdeutsches Phänomen?

Auch im wohlhabenden Baden-Württemberg gibt es jedenfalls Vorbehalte gegenüber Flüchtlingen. In Bad Buchau werden sie subtiler formuliert, öffentliche Drohungen gibt es nicht. Aber auch hier brannte ein Flüchtlingsheim. Die Täter wurden nie gefunden. Im Städtchen war man froh, dass ein fremdenfeindlicher Hintergrund sehr schnell ausgeschlossen wurde – was wiederum andere verwundert hat.

Es war in der Nacht zum 21. Juli 2013, als das Feuer in einer leer stehenden Wohnung im Erdgeschoss des Flüchtlingsheims ausbrach. Familien und Kinder flohen durch den beißenden Rauch ins Freie. Noch in der Nacht wurden mehrere Bewohner wegen Atembeschwerden behandelt. "Das hätte böse ausgehen können", sagt ein Mitglied der freiwilligen Feuerwehr. Überall im Haus sind Holztreppen eingebaut.   

Eine Ermittlungsgruppe der Polizei ging dem Verdacht der Brandstiftung nach. Es gebe "bislang keine Anhaltspunkte für eine fremdenfeindliche Tat", betonte aber gleich am nächsten Tag die Staatsanwaltschaft Ravensburg in einer Pressemitteilung.

"Denen muss man ein bissle Anstand beibringen"

Thomas Lutz, evangelischer Pfarrer in Bad Buchau hat diese schnelle Festlegung sehr gewundert. Zusammen mit einem katholischen Vikar hat Lutz vor einem Jahr, auch unter dem Eindruck des Brandes, den ökumenischen Freundeskreis Asyl Bad Buchau gegründet. Sie kämpfen seitdem dafür, es den Flüchtlingen in der baden-württembergischen Provinz etwas einfacher zu machen. 10 bis 15 Ehrenamtliche haben sich da zusammen gefunden, sie sammeln Kleider für die Familien, organisieren Fahrdienste oder eine Hausaufgabenhilfe. Um einen Sprachkurs zu machen, müssen die Flüchtlinge allerdings ins 20 Kilometer entfernte Biberach fahren. Pfarrer Lutz wünscht sich einen Kleiderladen, um Spenden für Flüchtlinge besser sammeln zu können.

Doch der Gemeinderat hat Finanzhilfen für diese Idee abgelehnt. Das 14-köpfige Gremium, das ausschließlich aus den Fraktionen von CDU und Freien Wählern sowie dem Einzelkämpfer Heinz Weiß gebildet wird, hat sich bisher in keiner einzigen Sitzung mit dem Flüchtlingsheim und ihren neuen Gemeindemitgliedern befasst. Auch nicht nach dem ungeklärten Feuer. Das Heim sei "Sache des Landkreises", bescheidet Weiß. "Dass es dort gebrannt hat, geht uns nichts an." 

Weiß ist aus der CDU ausgetreten, er erfand die Wählergruppe "Die Unbestechlichen" und betreibt als Nebenerwerbsjournalist eine lokale Internetzeitung namens derfedersee. In den Artikeln beschwerte er sich auch mal über das angeblich fehlende Benehmen von Bad Buchaus Flüchtlingen. Weiß störte sich unter anderem daran, dass vor der Eingangstür der Unterkunft alte Möbel standen und im Hinterhof alte Fahrräder angelehnt waren. "Denen muss man mal ein bissle Anstand beibringen", sagt Weiß. "Das muss man sagen dürfen."