Die Lufthansa ist dem Vorwurf entgegengetreten, sie habe im Fall des Copiloten des abgestürzten Germanwings-Flugzeugs möglicherweise Informationspflichten verletzt. "Lufthansa kommt ihren Informationspflichten gegenüber dem Luftfahrtbundesamt (LBA) nach", teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Die Welt am Sonntag hatte berichtet, vieles spreche dafür, dass die Lufthansa-Ärzte, die den Copiloten Andreas Lubitz von 2009 bis 2014 untersuchten, das LBA hätten informieren müssen.

Die Zeitung berichtete unter Berufung auf eine EU-Verordnung, dass Flugmediziner in Fällen schwerer Krankheiten wie Depressionen das LBA als Aufsichtsbehörde einschalten müssen. Das gilt allerdings erst seit April 2013. Am 31. März hatte die Lufthansa mitgeteilt, Lubitz habe 2009 nach einer krankheitsbedingten Unterbrechung seiner Ausbildung die Verkehrsfliegerschule des Unternehmens über eine "abgeklungene schwere depressive Episode" informiert.

Die Lufthansa teilte zudem mit, sie könne derzeit keine weiteren Erklärungen zum konkreten Fall abgeben, weil sie den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Düsseldorf nicht vorgreifen wolle.

Das LBA bestätigte einen Medienbericht, wonach das Amt bis zum 27. März 2015 – also nach dem Flugzeugabsturz "keine Informationen über die medizinischen Hintergründe" des Copiloten gehabt habe. Für die Lufthansa-Ärzte, die Lubitz in den Jahren von 2009 bis 2014 untersuchten, könne das Konsequenzen haben, berichtete die Zeitung. Vieles spreche dafür, dass sie das LBA hätten informieren müssen. So müsse ein Flugmediziner seit April 2013 bei schweren Krankheiten wie einer Depression den Fall an das LBA verweisen. Bei Lubitz habe es im Sommer 2013 und 2014 noch zwei Tauglichkeitsprüfungen gegeben. Zudem habe es in der Lizenz des Copiloten einen sogenannten SIC-Vermerk gegeben, der vorschreibe, dass der untersuchende Arzt die lizenzvergebende Behörde kontaktieren müsse. Das sei aber nicht geschehen.

Auch das LBA äußerte sich zu dem Zeitungsbericht und teilte mit: "Das Flugtauglichkeitszeugnis 2009 wurde im Falle Lubitz durch das Aeromedical Center (AMC) der Lufthansa in Frankfurt ausgestellt und dem Luftfahrtbundesamt übermittelt. Dieses Vorgehen entsprach der Rechtslage. Das AMC hat das LBA über die abgeklungene schwere Depressionsphase nicht informiert."

Nach Angaben der ermittelnden französischen Staatsanwalt hat Lubitz das Flugzeug mit Absicht in den Sinkflug gesteuert und zum Absturz gebracht. Mit ihm starben 149 Passagiere und Besatzungsmitglieder.