Bundespräsident Joachim Gauck hat in einem Staatsakt im Kölner Dom die Opfer des Germanwings-Absturzes gewürdigt und Trost gespendet. "Es zerreißt einem das Herz", sagte er. Beim Absturz des Fluges 4U9525 am 24. März waren insgesamt 150 Menschen ums Leben gekommen. "Wir sind verbunden durch Trauer, durch Schmerz und zugleich eine tief empfundene Ratlosigkeit." Die Angehörigen seien vereint in gegenseitiger Unterstützung durch ein Band der Gemeinsamkeit. 

"Trauer und Schmerz brauchen ihre Zeit", bis sich der Alltag normalisiere, sagte der Theologe Gauck, der in der DDR unter anderem in Rostock Pfarrer war. Bis zu dieser Normalität helfe nur die Gemeinsamkeit.

Gauck ging auf die Frage nach dem Vertrauen ein, auf das alle Menschen innerhalb der Gesellschaft angewiesen seien: Vertrauen auf andere Verkehrsteilnehmer auf den Straßen, auf den Gasinstallateur in der Wohnung, auf die Köche der Restaurants. Er sagte, es gebe keinen absoluten Schutz vor menschlichem oder technischem Versagen. Er dankte allen Menschen, die im Dienste anderer verantwortungsvoll ihrer Arbeit nachgehen.    

Der Bundespräsident erwähnte auch den Copiloten, der den Ermittlungen zufolge das Flugzeug nach Erreichen der Reiseflughöhe absichtlich in den französischen Alpen abstürzen ließ. Der Mann habe "andere Menschen in den Tod gerissen, den er selbst gesucht" habe. Aber auch seine Angehörigen hätten einen Angehörigen verloren, der eine Lücke in ihr Leben reißt.

Vor Gauck hatte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) den Helfern gedankt und an die Opfer erinnert, die aus 17 Ländern kommen. Sie wünsche sich, dass die Angehörigen "die große Anteilnahme spüren, dass sie ihnen Kraft gibt in dieser schweren Zeit".

Zuvor hatten im voll besetzten Kölner Dom Angehörige mit mehr als 1.000 Gästen einen Trauergottesdienst gefeiert. Der Kölner Erzbischof, Rainer Maria Kardinal Woelki, zelebrierte ihn gemeinsam mit Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen.

Requiem von Gabriel Fauré

Auf den Stufen des Altars brannten auch während des sich anschließenden Staatsaktes für die Opfer 150 Kerzen – also auch für den Copiloten der Maschine. Woelki hatte die 150. Kerze zuvor mit den Worten verteidigt, das Urteil über den Copiloten müsse Gott überlassen bleiben.

Zu den Klängen eines Requiems des französischen Romantikers Gabriel Fauré waren die Mitwirkenden in den Dom eingezogen, um die Liturgie zu beginnen. Die gesamte deutsche Staatsführung war anwesend, neben Bundespräsident Gauck auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundestagspräsident Norbert Lammert (beide CDU). Unter den Gästen waren auch der spanische Innenminister Jorge Fernández Díaz und Frankreichs Verkehrsminister Alain Vidalies.

Viele Gäste bekamen einen handtellergroßen hölzernem Engel überreicht. Die kreuzförmige Figur soll Gemeinschaft in der Trauer symbolisieren.

In seiner Predigt ging Kardinal Woelki auf die Hilflosigkeit ein, die Katastrophen dieser Art auslösen. "Ich habe keine Antwort für Sie auf das schreckliche Unglück", sagte er. Er könne aber auf eine Antwort zeigen: den vom Tod am Kreuz auferstandenen Christus. Im Glauben an ihn versammelten sich täglich Christen – auch in diesem Dom.

Solistin hatte zwei Kollegen verloren

Präses Kurschus hatte allen Trauernden zuvor mit den Worten Trost gespendet, auch im größten Leid könnten Gläubige ihre Bitte an Gott richten: "Sammle unsere Tränen in Deinem Krug, mach unser Weinen zu Deinem."

Nach den Predigten sang eine Solistin von der Deutschen Oper am Rhein, die zwei Kollegen bei dem Absturz verloren hatte. Mit dem Schlusschoral aus Johann Sebastian Bachs Johannes-Passion beschloss ein Chor den Gottesdienst, bevor Ministerpräsidentin Kraft zu dem Staatsakt überleitete.

Lange Warteschlange vor dem Dom

Die Organisatoren hatten die Mitarbeiter der Airlines gebeten, nicht in Dienstkleidung zu erscheinen – wohl aus Rücksicht auf die Angehörigen der Opfer. Ebenso wie der Gottesdienst galt der Staatsakt den 150 Getöteten, darunter vielen Menschen aus Spanien und Deutschland. Allein aus Nordrhein-Westfalen starben bei dem Unglück 65 Menschen, darunter 16 Schüler und zwei Lehrerinnen einer Schule in der Stadt Haltern, die von einer Sprachreise aus Barcelona zurück nach Düsseldorf unterwegs waren.

Vor dem Dom hatte sich vor Beginn eine lange Warteschlange gebildet, über die Kölner Innenstadt hallte das Geläut der Kirche. Auf dem Vorplatz ist ein Trauerort für jene eingerichtet, die nicht in den Dom hineinkommen konnten.  

Die Trauerfeier wurde auf eine Großleinwand auf dem Bahnhofsvorplatz neben dem Dom sowie in eine benachbarte Kirche übertragen. Während der Feier galten umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen. Unmittelbar am Dom und im Altstadtbereich waren Straßen für den Autoverkehr gesperrt und Absperrgitter für Fußgänger errichtet worden. 

Die Germanwings-Muttergesellschaft Lufthansa hatte am Freitag eine Traueranzeige in großen Zeitungen geschaltet. "Wir trauern um unsere Passagiere und Kollegen, die am 24. März 2015 bei dem Flugzeugunglück der Germanwings in der Nähe von Seyne-les-Alpes ihr Leben verloren haben. Wir werden sie nie vergessen", heißt es darin.