Pater Augustine Amakkatt ist Direktor des privaten St. Xavier's Colleges in Kathmandu. Er hat das gewaltige Erdbeben in Nepal überlebt und ist mit Freiwilligen in die Bergdörfer außerhalb der Hauptstadt gefahren, wo die organisierte Hilfe bislang noch nicht angekommen ist.

ZEIT ONLINE: Herr Amakkatt, was ist gerade das größte Problem in Nepal?

Augustine Amakkatt: In Kathmandu bekommen die meisten Menschen Hilfe, die Unterstützung konzentriert sich ja auf die Hauptstadt. Die Lage ist aber insgesamt sehr chaotisch, die Regierung arbeitet ineffizient. In den abgelegenen Dörfern sind die Menschen komplett auf sich allein gestellt. Die Dorfbewohner sind in größter Not.

ZEIT ONLINE: Was heißt auf sich allein gestellt genau?

Amakkatt: Die meisten Häuser dort sind komplett zerstört und unbewohnbar, die Menschen haben keinen Unterschlupf. Als ich am Montag zum Beispiel das Dorf Ghale Ghati im Distrikt Dhading mit ein paar Schülern besucht habe, trafen wir extrem traurige Menschen. Sie haben nicht nur ihre Häuser verloren, sondern auch ihre Verwandten.

ZEIT ONLINE: Wie haben Sie das Dorf erreicht?

Amakkatt: Ghale Ghati ist etwa 60 Kilometer von Kathmandu entfernt, wir sind mit Jeeps dort hingefahren. Es war nicht einfach, den Ort zu erreichen. Deshalb haben die Menschen auch so gut wie kein Essen. Das Gute ist: Es gibt nicht nur professionelle Helfer, die jetzt nach Nepal kommen. Es sind die Nachbarn, ganz normale Bürger, die sich gegenseitig unterstützen. An meinem College haben sich viele Freiwillige gemeldet, die helfen wollen.

Amakkatt (Mitte) steht zwischen Bewohnern des Dorfes Ghale Ghati. Viele von ihnen sind seit dem Erdbeben obdachlos. © Sundhar Takuri

ZEIT ONLINE: Hat Ihr College dem Beben standgehalten?

Amakkatt: Wir hatten gerade Aufnahmeprüfungen, als die Erde bebte. Eine halbe Minute war es so stark, dass ich nicht laufen konnte, es fühlte sich an, als stünde man in einem Boot mitten auf dem Ozean. Ich habe komplett die Balance verloren. Alle, die im Gebäude waren, konnten sich ins Freie retten. Zum Glück ist das Gebäude nicht eingestürzt. Jetzt bleibt das College wahrscheinlich noch bis Ende der Woche geschlossen. Aber wir haben hier einen Helpdesk eingerichtet und informieren die Menschen auch auf unserer Facebook-Seite.

ZEIT ONLINE: Was machen die Überlebenden in Kathmandu jetzt?

Amakkatt: Mittlerweile kehren einige Leute in ihre Häuser zurück, wenn diese noch stehen. Auch die Zelte in der Stadt sind voll. Die Menschen vertrauen den Bauten nicht. Die Nachbeben verunsichern uns sehr. Viele weitere verlassen deshalb die Stadt – die meisten aber nicht aus Angst, sondern weil sie in ihre Heimatdörfer zurückkehren wollen. Das ist gut, weil die Menge an Menschen im Tal abnimmt. Denn natürlich sind auch hier Wasser und Lebensmittel knapp.

ZEIT ONLINE: Wie geht es Ihnen nach dem heftigen Wochenende?

Amakkatt: Montagabend war ich so müde, dass ich um neun Uhr einfach eingeschlafen bin. Und das, obwohl es ein Nachbeben gab. Aber ich war zu träge, um noch mal aufzustehen. Aber glauben Sie mir: Es war ein Albtraum, das Schlimmste, das ich je erlebt habe.

Hilfsorganisationen rufen dringend zu Spenden für Nepal auf. An folgende Konten können Sie überweisen:

Aktion Deutschland Hilft: Spendenkonto 102030 bei der Bank für Sozialwirtschaft Köln, Bankleitzahl 37020500, IBAN DE62370205000000102030

Caritas: Spendenkonto 202 bei der Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, Bankleitzahl 66020500, IBAN DE88660205000202020202

Diakonie Katastrophenhilfe: Spendenkonto 502502, Evangelische Bank, Bankleitzahl 52060410, IBAN DE68520604100000502502

Save the Children: Spendenkonto 929 bei der Bank für Sozialwirtschaft, Bankleitzahl 10020500, IBAN DE92100205000003292912. BIC BFSWDE33BER, Stichwort: Soforthilfe Nepal