Zwei Jahre nach einem europaweiten Pferdefleischskandal ist ein niederländischer Großhändler zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Willy Selten bekam eine Strafe von zweieinhalb Jahren, wie das Gericht in Den Bosch im Süden der Niederlande urteilte. Der Chef zweier Firmen habe Rechnungen, Aufdrucke und Zutatenlisten gefälscht, um Pferdefleisch als Rindfleisch zu verkaufen.

Der 45-jährige Händler aus Oss hatte 2011 und 2012 mehr als 330.000 Kilogramm billiges Pferdefleisch als Rindfleisch deklariert und verkauft. Er habe nicht nur Konsumenten getäuscht, sondern auch den Ruf von Schlachtern geschädigt, erklärten die Richter. Da Selten Fleisch auch ins Ausland geliefert habe, habe er der gesamten niederländischen Fleischindustrie geschadet.

In 35 von 167 Stichproben aus Lieferungen Seltens fanden niederländische Behörden 2013 DNA von Pferden. Alle Produkte seien als "reines Rindfleisch" deklariert gewesen, erklärten die Richter. "Er sparte Geld, indem er billigeres Pferdefleisch kaufte, es mit Rind mischte und es danach als teureres Rindfleisch verkaufte", begründete das Gericht weiter.

Selten selbst hatte während des Prozesses ausgesagt, das Fleisch nicht willentlich falsch deklariert zu haben und seine Unschuld beteuert. Fehler in der Buchhaltung seien Schuld daran gewesen. "Ich bin nicht der große Pferdefleisch-Betrüger, für den mich alle halten", hatte Selten gesagt. Er sei lediglich "unvorsichtig mit der Verwaltung" gewesen. Die Richter zeigten sich davon nicht überzeugt. Die Strafe fiel jedoch geringer aus, als von der Staatsanwaltschaft gefordert. Der Angeklagte sei durch den Bankrott seines Betriebes bereits gestraft, begründeten die Richter ihre Entscheidung.

Der Skandal war 2013 ans Licht gekommen, als in Hamburgern Pferdefleisch entdeckt worden war. Der Händler hatte das Pferdefleisch mit Rindfleisch vermischt. Da die Sicherheit des Fleisches nicht garantiert werden konnte, hatten die niederländischen Aufsichtsbehörden aus großen Teilen Europas insgesamt über 50 Millionen Kilogramm Fleisch zurückgerufen. Allerdings war der größte Teil bereits verarbeitet oder verzehrt worden.