Fast täglich endet ein Polizeieinsatz in den USA tödlich. Wie viele Menschen genau getötet werden, weiß niemand, ein zentrales Register gibt es nicht. Jeder Bundesstaat führt seine eigene Statistik – oder auch gar keine. Immerhin wurden nun die vorhandenen Zahlen addiert: Seit dem 11. September 2001 gab es rund 5.000 Tote durch Polizeieinsätze. Demgegenüber stehen 54 Anklagen und gerade mal elf Verurteilungen von Polizisten. Der Anteil der in Polizeieinsätzen getöteten Schwarzen ist dreimal so hoch wie ihr Anteil in der Bevölkerung mit 13 Prozent. 44 Prozent der Gefängnisinsassen sind schwarz.

Die Empörung ist jedoch nicht nur in Deutschland groß, wenn wieder ein neuer Fall bekannt wird, wie der des unbewaffneten Mannes in North Charleston, der nach einer Verkehrskontrolle vor einem weißen Polizisten geflohen war. Der Polizist hatte ihm daraufhin in den Rücken geschossen.

In den USA protestieren landesweit Menschen öffentlich gegen die Polizeigewalt gegen schwarze Mitbürger. Nicht nur die liberalen Medien in den USA sind derzeit voller Anklagen gegen die Ungleichbehandlung. Schwarze Prominente melden sich zu Wort. Professor Stan Chu Ilo von der DePaul University in Chicago klagt zum Beispiel in der Huffington Post in seinem Artikel Being a Black Male in America: Racism and the Police die US-Regierung an, in Bezug auf schwarze junge Männer komplett zu versagen – als sei deren Leben nichts wert. Er berichtet auch davon, wie ein schwarzer Professorenkollege ständig von der Polizei in Chicago kontrolliert werde, weil die Polizisten sich offenbar nicht vorstellen können, dass sein teures Auto nicht gestohlen sei.

Die US-Regierung hat im März darauf reagiert und eine Task Force ins Leben gerufen, um die Polizei zu reformieren. Im dazugehörigen Bericht findet sich eine neue Sprache. Da ist von "friedlich", "deeskalieren" und "Anti-Konflikt-Training" die Rede. Das klingt alles gut. Doch neue Verhaltensregeln für die Polizei alleine werden nicht ausreichen.

Die tödlichen Einsätze finden häufig in Gegenden mit vielen sozialen Problemen statt. Während dort zumeist überdurchschnittlich viele Schwarze wohnen, sind die Polizisten im Einsatz überwiegend weiß. Die Mischung entwickelt oft eine fatale Dynamik. Aufgrund sozialer Missstände und Armut ist die Kriminalitätsrate tatsächlich hoch. Viele weiße Polizisten neigen dazu, in diesem Umfeld alle zu verdächtigen und vorurteilsbeladen zu agieren – sozusagen aus ihrer empirischen Erfahrung. Infolgedessen werden die Bewohner schwarzer Stadtteile viel öfter kontrolliert als Weiße in wohlhabenden Suburbs. So verstärken sich rassistische Stereotype, obwohl das Kriminalitätsgefälle eigentlich auf ökonomische und soziale Unterschiede zurückzuführen ist.