Die schwierige Lage der ausländischen Arbeiter auf den Baustellen der Fußball-WM in Katar hat sich nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation Amnesty International nicht gebessert. Trotz anderslautender Versprechungen des Golfemirats seien die Gastarbeiter aus zumeist südasiatischen Ländern weitgehend rechtlos, stellt ein Bericht fest, den die Organisation am Donnerstag veröffentlichte.

"Hoffnungen auf echte Fortschritte schwinden dahin", hält der Bericht fest. Die Arbeits- und Lebensbedingungen der ausländischen Gastarbeiter im Land des WM-Gastgebers 2022 werden seit Jahren heftig kritisiert. Amnesty International hatte der Regierung von Katar vor anderthalb Jahren einen Katalog von Maßnahmen vorgeschlagen, um das Los der Arbeiter zu verbessern.

"In der Praxis hat es aber seitdem keine signifikanten Fortschritte gegeben", sagte Amnesty-Rechercheur Mustafa Kadri. Ausländische Arbeiter seien ihren Arbeitgebern weiterhin ausgeliefert. Ohne gesonderte Erlaubnis könnten sie ihre Jobs nicht kündigen und das Land nicht verlassen. Gegen unmenschliche Wohnverhältnisse, gesundheitsschädigende Arbeitsbedingungen und nicht ausbezahlte Löhne seien sie machtlos.

Amnesty appelliert an den Weltfußball-Verband Fifa, sich für echte Reformen der repressiven Arbeitsgesetze in Katar einzusetzen. "Der Verband hat bislang keine wirkliche Bereitschaft erkennen lassen, dafür zu sorgen, dass Katar 2022 nicht auf den Fundamenten der Ausbeutung und des Missbrauchs gebaut wird", erklärte Kadri. 

Fifa wiegelt Mitschuld ab

Derweil räumte Alexander Koch,  Corporate Communications Manager der Fifa, die missliche Lage der Arbeiter zwar ein. "Wir müssen uns nicht darüber unterhalten, dass diese Arbeitsbedingungen inakzeptabel sind", sagte Koch bei stern TV. Eine Mitschuld der Fifa lehnte er jedoch vehement ab. Die Arbeitsbedingungen seien auf das Kafala-System, das völlig unabhängig von Sportveranstaltungen nicht nur in Katar, sondern auch in Ländern wie Bahrain, Oman, Saudi-Arabien, im Irak und Kuweit gängig sei, zurückzuführen. Diese Tatsache nähme die Welt seit mindestens 20 Jahren billigend in Kauf. Die Fußball-WM habe bezüglich der schlechten Arbeitsbedingungen jedoch schon viel bewirkt.

Der langjährige Arbeitsminister Norbert Blüm zeigte sich entsetzt über die Aussagen des Fifa-Sprechers: "Ich kann dieses Abwiegeln,  dieses Verharmlosen nicht mehr ertragen. Die WM sollte endgültig aus Katar abgezogen werden."